AGAPLESION, TK und IBM stellen elektronische Gesundheitsakte vor

24. April 2018

Berlin, 24. April 2018. Die Techniker Krankenkasse (TK) stellt mit TK-Safe ihre bundesweite elektronische Gesundheitsakte vor. Der Service wird es TK-Versicherten ermöglichen, ihre Gesundheits- und Krankheitsdaten strukturiert und übersichtlich an einem Ort zu speichern und selbst zu managen. Damit Versicherte künftig ihre Daten von Krankenhausaufenthalten schneller in TK-Safe einfließen lassen können, schließt die TK aktuell bundesweit Kooperationsverträge mit Kliniken. Als Vorreiter werden direkt zum Start 16 Kliniken des christlichen Gesundheitskonzerns AGAPLESION gAG angebunden sein.

Statement von Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender AGAPLESION gAG

# Patienten sind auch Kunden
Als Deutschlands viertgrößter und zugleich größter christlicher Krankenhauskonzern behandelt AGAPLESION in 22 Krankenhäusern jährlich rund 250.000 stationäre Patienten. Jedes Jahr sind darunter etwa 25.000 TK-Versicherte. Im ambulanten Bereich kommen noch einmal rund 45.000 hinzu.
Die Patienten warten schon lange nicht mehr „geduldig“, wie der Begriff „Patient“ vielleicht noch vermuten lässt: Nein, sie sind auch anspruchsvolle Kunden geworden, die individuell versorgt und behandelt werden möchten.
Und das ist gut so!

# Kein Anschluss ohne Digitalisierung
Wer nicht alle Daten digital bereithält, wird den Anschluss verpassen und in einer digitalen Gesellschaft nicht mehr ‚sprachfähig‘ sein. Deswegen hat AGAPLESION sich mit seiner differenzierten Digitalstrategie bereits 2015 das Ziel gesetzt, die enormen und noch weitgehend unterschätzten Potenziale der Digitalisierung umfassend zum Nutzen für die Patienten (und auch der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen) zu nutzen.
Denn: Erst wenn alle erforderlichen Patienteninformationen digital verfügbar sind, kann eine exzellente Behandlungsqualität erreicht werden.
Die Partnerschaft mit der TK und mit IBM ermöglicht uns, wichtige Fortschritte in einem bedeutenden Teilbereich unserer Digitalstrategie zu erreichen, nämlich beim nahtlosen Informationsfluss von und zu unseren Patienten.

# Transparenz steigert die Behandlungsqualität erheblich
Es liegt auf der Hand: Je lückenloser, konsistenter und durchgängiger der Informationsfluss ist, desto höher ist die Qualität. Daher betrachten wir TK-Safe als enormen Fortschritt.
Denken Sie einmal an kognitiv eingeschränkte Patienten: Sie sind schon lange kein Ausnahmefall mehr, keine Randerscheinung, sondern eine große Gruppe von Menschen in unseren Krankenhäusern, die unsere Ärzte nicht nach Vorbehandlungen, verordneten Medikamenten oder Diagnosen fragen können.
Eine digitale Patientenakte ist die Voraussetzung dafür, dass der behandelnde Arzt oder die Pflegekraft ohne belastende und auch teure, unnötige Doppeluntersuchungen die wesentlichen Informationen erhalten kann.
In unserem Krankenhaus in Darmstadt erstellen wir gerade in einem weiteren (BMBF-geförderten) Projekt eine Plattform, auf der alle am Behandlungsprozess eines kognitiv beeinträchtigten Patienten beteiligten Akteure integriert sind.

# Patienten fordern digitale Informationen
Die Datenschutz-Grundverordnung sichert den Patienten ab Mai 2018 das Recht auf Datenübertragbarkeit zu. Auch in diesem Zusammenhang spielt TK-Safe eine herausragende Rolle.
Unabhängig von gesetzlichen Regelungen erwarten unsere Patienten – unsere Kunden – aktuelle, zeitnahe und vor allem konsistente digitale Informationen über die einzelnen Behandlungsschritte. Für sich selbst, aber auch, um mit Angehörigen oder am Behandlungsprozess Beteiligten in den Austausch gehen zu können. Dazu kommt, dass vollständig informierte und aufgeklärte Patienten sich mit mehr Motivation persönlich am Behandlungsprozess beteiligen. Unserer Erfahrung nach verhalten sie sich wesentlich mehr compliant. Dadurch steigen der Behandlungserfolg und die Ergebnisqualität signifikant; die Kosten der Behandlung werden dagegen sinken – eine von allen erwünschte Situation.

# Einfach einmal machen! Agilität in der Gesundheitswirtschaft
Manchmal wundert es mich, dass der Krankenhausgesetzgeber glaubt, im Wesentlichen durch Mindestmengen und Strukturvorgaben hohe Qualität erreichen zu können.
Die riesigen Potentiale, welche die Digitalisierung bietet, nämlich einen patienten- oder kundenbezogenen, behandlungsübergreifenden Informationsfluss zu gewährleisten, sind m. E. noch nicht ansatzweise erkannt und ernst genommen. Vielleicht werden sie aber auch zerrieben durch die Komplexität und Kompliziertheit des deutschen Gesundheitswesens mit seinen unzähligen Akteuren und Interessengruppen. Agilität ist jedenfalls etwas anderes.
Oder wie soll man es einordnen, dass nach 13 Jahren (Start 2005) und Kosten in Höhe von über 1,7 Mrd. € (bis Ende 2017) immer noch keine elektronische Gesundheitskarte durch die Gematik in die flächendeckende Umsetzung gebracht werden konnte? Inzwischen wird sogar die Frage gestellt, ob die Gematik überhaupt zukunftsfähig sei. Noch am vergangenen Sonntag erklärte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die Gematik für gescheitert.

TK, IBM und AGAPLESION sind im Oktober 2017 gestartet. Bereits nach sechs Monaten geht TK-Safe ans Netz. So schnell kann es auch gehen. Aus der Zusammenarbeit mit Start-up-Unternehmen haben wir gelernt, dass man mutig anfangen muss, um neue Standards zu etablieren. Die Techniker Krankenkasse hat 10 Mio. Versicherte, die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Standardsetzung

# Sektorengrenzen sind Informationsgrenzen
Unser Gesundheitswesen krankt an Sektorengrenzen, beispielsweise zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern, zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. An diesen Schnittstellen findet kein systematischer digitaler Informationsaustausch statt, obwohl das essentiell ist. Einzelfall-Lösungen wie Zuweiserportale oder die Anbindung von niedergelassenen Ärzten an das Krankenhausinformationssystem helfen, diese Grenzen zu überwinden - zum großen Nutzen für die Kunden. Auch zwischen den Sektoren Krankenhaus (SGB V) und Altenhilfe (SGB XI) endet heute der digitale Informationsaustausch regelmäßig.
TK-Safe ist geeignet, die aus Sicht der Patienten nutzlosen Sektorengrenzen zu überwinden und digitale Transparenz herzustellen - ein enormer Fortschritt im Hinblick auf eine durchgängige und vor allem langfristig konzipierte Behandlungsqualität.

# AGAPLESION wird als Partner sehr engagiert daran mitarbeiten, TK-Safe zum Erfolg zu führen!
Wir engagieren uns sehr gerne bei der Entwicklung und Einführung von TK-Safe, bei einem Projekt mit großer Strahlkraft und großem Nutzen für die Patienten.
Von Anfang an sind deutschlandweit insgesamt 16 AGAPLESION Krankenhäuser in die Zusammenarbeit eingebunden und darüber hinaus potenziell etwa 90 Medizinische Versorgungszentren und Ambulanzen.
Für unsere bei der TK versicherten Patienten spielen wir den klinischen Entlassbrief in die individuelle Patientenakte ein. Neben den Diagnosen und durchgeführten Behandlungen sind dort auch Informationen zur Medikation sowie Laborwerte aufgelistet.
Darüber hinaus werden wir gemeinsam an Schnittstellen und technischen Möglichkeiten arbeiten, um den Patienten weitere Gesundheitsdaten digital zur Verfügung zu stellen.
Auf der anderen Seite werden unsere Krankenhäuser mit Einverständnis des Patienten, zukünftig bereits vor seinem Aufenthalt Daten übermittelt bekommen. So können Aufnahme und Behandlung noch zuverlässiger und unkomplizierter organisiert werden.

#Die AGAPLESION Digitalstrategie ist umfassender!
Die elektronische Gesundheitsakte fügt sich perfekt in die AGAPLESION Digitalstrategie ein. Doch diese geht weit über dieses Projekt hinaus. Wir sehen den Prozess der Digitalisierung in vier Stufen:

Der erste Schritt ist, dass wir alle unsere Daten digitalisieren. Die Einführung einer konzernweiten digitalen Patientenakte war die Grundvoraussetzung, um den digitalen Informationsaustausch überhaupt zu ermöglichen. Allein das ist ein hoher Aufwand für ein Krankenhaus. Neben der Herstellung der technischen Voraussetzungen müssen auch Prozesse angepasst werden, z. B. die Visiten. Hunderte Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten wurden bei AGAPLESION geschult und auf den praktischen Einsatz vorbereitet. Investitionen für Drahtlosnetzwerke, Infrastruktur und mobile Arbeitsplätze wurden getätigt.

Ein weiterer Schritt, den wir im Konzern gerade realisieren, ist es, Arbeitsprozesse (z. B. in der Logistik oder bei der Medikation) zu digitalisieren, um sie zu optimieren und zukünftig besser steuern zu können. In der Vergangenheit wurden in unseren Einrichtungen bereits viele digitale Prozesse angestoßen: u. a. im Controlling (Date Warehouse), im Personalmanagement (LOGA) oder im Logistikzentrum (MobiDik).

Darüber hinaus testen wir in verschiedenen Innovationsprojekten, wie eine Prozessoptimierung im konkreten Anwendungsfall aussehen könnte. Ein Projekt ist die Bettenaufbereitung im AGAPLESION EVANGELISCHES KRANKENHAUS HOLZMINDEN. Mit Hilfe einer Art „Indoor GPS“ und einer App erhält die Bettenaufbereitung jederzeit eine Live-Statusübersicht, inklusive Aufenthaltsort aller Betten mit der Information, ob sie „rein“, „belegt“, „unrein“ oder „infektiös“ sind. Darüber hinaus sorgt die App ohne Extraaufwand für eine digitale Dokumentation aller Aufbereitungsschritte (Anfrage, Annahme, Durchführung, Bereitstellung). Die Lösung führte zu einer Effizienzsteigerung von bis zu 20 Prozent.
Dieses Echtzeitlokalisierungssystem ist ein gutes Beispiel dafür, wie Prozesse im Krankenhaus durch technische Unterstützung erleichtert werden. Es geht darum, den Mitarbeitenden unnötige Tätigkeiten abzunehmen, damit sie sich auf ihre eigentliche Arbeit für die Patienten konzentrieren können.

Auf der dritten Ebene sprechen wir über digitalisierte Services, um Kooperationspartner, aber auch Patienten vor, während und nach dem Krankenhausaufenthalt digital einzubinden. Ziel ist es hier, zum Beispiel über digitale Aufklärung, Online-Sprechstunden und Online-Terminvorgaben die Kommunikation zu verbessern und den Service auszubauen. Nach erfolgreichem Test in Holzminden sollen bspw. Online-Sprechstunden unternehmensweit eingeführt werden. Weitere Innovationen gehören auch auf diese Ebene, z. B. Vorhersagen (Predictive Analytics, Predictive Medicine) oder Künstliche Intelligenz (Diagnostik von Erkrankungen).

Und viertens sehen wir in Plattformen ein großes Potenzial für das Gesundheitssystem. Sie verbinden unternehmensinterne mit externen Netzwerken. Sie sind nichts anderes als standardisierte Schnittstellen. Wer diesen Standard durchsetzt, hat sich als Plattform etabliert und verfügt über das neue Geschäftsmodell. Auf dieser Ebene sehen wir auch die eGA der TK.
Für AGAPLESION steht bei allen Digitalisierungsbestrebungen immer die Versorgungsqualität im Fokus. Digitalisierung ist bei uns kein Fetisch und kein Selbstzweck. Digitalisierung hat immer dienenden Charakter.

#Wie informieren wir TK Versicherte, die bei uns behandelt werden, über die Möglichkeit, an der eGA teilzunehmen?
Das organisieren wir über unser Patientenmanagement. Die Mitarbeitenden in den Aufnahmen werden geschult, damit sie in der Lage sind, TK-Versicherte bei der Aufnahme über die Möglichkeiten der eGA hinzuweisen. Hierfür stellt die TK uns Informationsflyer zur eGA für ihre Versicherten zur Verfügung. Den Patienten steht es dann frei zu entscheiden, ob ihre Daten aus dem klinischen Arztbrief in ihre eGA eingespielt werden sollen. Sie müssen explizit ihre Zustimmung geben, denn damit haben sie die Hoheit über ihre Daten. Bei Notfallpatienten wird die Information über die eGA zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, nämlich dann, wenn der Aufnahme-Mitarbeiter den Patienten aufgenommen hat.

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Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender AGAPLESION gAG