Frankfurt: Hohe Lebensqualität trotz Demenz

05. Februar 2015

34 Frauen und zwei Männer im Alter von 72 bis 103 Jahren wohnen im Wohnbereich 1 im AGAPLESION HAUS SAALBURG in Frankfurt.

Davon wohnen 20  Bewohnerinnen und Bewohner im speziellen Wohnbereich für Menschen mit Demenz. Das AGAPLESION HAUS SAALBURG arbeitet nach dem psychobiografischen Pflegemodell von Erwin Böhm. Die Mitarbeitenden versuchen zu hinterfragen, welche Einflüsse den Bewohner in seinem Leben geprägt haben. Parallelen zeigen sich: Die Senioren im AGAPLESION HAUS SAALBURG wurden überwiegend während oder nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt geboren. Das städtische Leben in den 1950er und -60er Jahren war ihre Jugendzeit. Nach diesem Vorbild wurde das Milieu des Wohnbereiches gestaltet.

Jedoch leben die Bewohner dabei keinesfalls in einem Museum; sondern sie sollen sich zuhause fühlen. „Die Alltagsgegenstände können benutzt werden und sind keine Dekoration“, sagt Carola Peretto von der Sozialen Betreuung. „Wir leben Alltagsnormalität.“ Die individuellen Betreuungsstrategien werden in wöchentlichen Fallbesprechungen zwischen den Mitarbeitenden des Wohnbereichs abgestimmt. Dabei unterstützen die Mitglieder der Böhm - Projektgruppe. Durch gezielte Impulse werden die Bewohner inspiriert.

Eine Bewohnerin beispielsweise konnte man aus ihrer Isolation holen, indem man ihr eine Puppe schenkte, um die sie sich fortan liebevoll kümmerte. In ihrer Interaktionsstufe machte sie eine positive Entwicklung, und ihre Befindlichkeit verbesserte sich. Mittlerweile kommt die Frau ohne Puppe aus und nimmt am Leben im Wohnbereich teil.

„Unser Ziel ist, dass wir die Alltagskompetenzen der Menschen fördern und reaktivieren“, sagt Peretto. Das zeigt auch folgendes Beispiel: Eine Bewohnerin wollte mittags nichts essen. Das Team stellte fest, dass sie morgens durchaus eigenständig ein Brötchen essen konnte. Die Tischkultur am Mittagstisch wurde geändert. Mittlerweile fühlt sich die Frau sichtlich wohl und isst ein einfaches, warmes Essen mit der Hand oder einem Löffel selbstständig.

Das „Daheim-Gefühl“ wurde bei einer Bewohnerin kurios umgesetzt. Ihr gefiel es nicht, wenn das Pflegepersonal einfach in ihr Zimmer kam. Dann verteidigte sie ihre vier Wände – ein gewaltiger Stress für alle Beteiligten. Jetzt hat sie eine Klingel an der Zimmertür, die von den Mitarbeitenden respektiert und genutzt wird. Ihre „Ich-Wichtigkeit“ wurde gestärkt, also ihr Bedürfnis nach Anerkennung und Selbstbestätigung. Die Gabe von Beruhigungsmittel konnte bei ihr beendet werden, die ihr vor dem Aufenthalt im AGAPLESION HAUS SAALBURG verschrieben worden waren.

Das Team weiß, dass die Diagnose Demenz mit vielen Ängsten verbunden ist. Zwar können die Pflegekräfte kognitive Störungen nicht beheben. „Wir können aber durchaus erreichen“, erklärt Peretto, „dass die Lebensqualität unserer Bewohner steigt.“

 

Kontakt:
AGAPLESION HAUS SAALBURG