Drei Fragen an eine Case Managerin im Krankenhaus

01. Januar 2014

Das Profil eines Case Managers wird in Krankenhäusern häufig sehr unterschiedlich gelebt. Ulrike Boente, Case Managerin AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN, beantwortet drei Fragen.

 

Was ist eine Case Managerin und warum ist Case Management wichtig?

In meiner heutigen Funktion als Case Managerin muss ich versuchen, das optimale Gleichgewicht zwischen frühzeitiger Entlassung und optimaler Versorgung der Patienten zu erreichen. Schon bei der Aufnahme mache ich eine Einschätzung des Patienten über seine eventuelle Entlasssituation. Bei manchen Patienten lässt sich der Bedarf sofort einschätzen, andere muss man über einige Zeit begleiten und gemeinsam mit den Behandlern Entscheidungen treffen. Immer stehe ich ganz eng mit dem Sozialdienst in Kontakt, der sich letztendlich um die sozialrechtliche Beratung sowie um alle Versorgungen nach Extern kümmert. Case Management ist eigentlich eine Methode, keine Ausbildung. Ich bin Krankenschwester, leitete früher eine Station und habe vier Jahre Erfahrung im Bereich Abrechnung im Aufnahmezentrum. Außerdem absolvierte ich Weiterbildungen zur Stationsleitung, zur Case Managerin und zur Kodierfachkraft. Der Begriff „Case Manager“ ist nicht geschützt. Mit Einführung der DRG-Abrechnung wurde der Druck auf alle Krankenhäuser größer, die Patienten zügig zu entlassen. Das geht nur über eine gute Steuerung, bei der der Patient nicht auf der Strecke bleiben darf. Hierzu bedarf es einer optimalen Abstimmung von Prozessen und einer guten Vorbereitung der Entlassung. Dazu sind wir seit Einführung des Versorgungsstrukturgesetzes am 01.12.2012 zusätzlich verpflichtet worden.

Was haben unsere Patienten davon?

Durch Beteiligung an den Visiten, Terminierungen von Diagnostik und als Kommunikationspartner unterstütze ich einen reibungslosen Ablauf, so dass die Patienten möglichst nicht unnötig auf Behandlungen warten müssen. Patienten und Angehörige haben oft ein großes Informationsbedürfnis bei der Frage der Weiterversorgung. Hier führe ich regelmäßig Gespräche und gebe Rückmeldungen über Fortschritte. Häufig werden auch Fragen zum stationären Ablauf gestellt, den Patienten oft in den Visiten nicht so schnell erfassen können. So erziele ich eine möglichst hohe Transparenz für den Patienten.

Das hat sicher auch Gründe der Wirtschaftlichkeit?

Neben der Transparenz und Qualität spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Die Verweildauersteuerung ist in erster Linie ein wirtschaftliches Instrument. Durch die fallbegleitende Kodierung der Diagnosen und Prozeduren ergibt sich immer die aktuelle DRG, an der sich ein Arzt, abgesehen von der medizinischen Indikation, bei der Festlegung der Entlassung orientieren kann. Zusätzlich sorge ich für eine zügige Kodierung gemäß Kodierrichtlinien, so dass unsere Fälle zeitnah und sicher abgerechnet werden können. Die Dokumentationspflichten an alle Beteiligten sind gestiegen und werden von den Case Managern auf Schlüssigkeit überprüft. Verbesserungen werden immer wieder eingefordert. Nur so bekommen wir für die Arbeit, die geleistet wurde, auch den verdienten Erlös. Außerdem bin ich Ansprechpartnerin für die Bettendisposition. Sie hat geradebei einer angestrebten hohen Belegung einen hohen Informations- und Unterstützungsbedarf bei der Suche sowohl nach elektiven als auch nach Akutbetten.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Ulrike Boente, Case Managerin AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN