Erstes AGAPLESION Altertraumazentrum DGU zertifiziert

04. September 2015

AGAPLESION hat seit Ende Juni 2015 in Bad Pyrmont ein eigenes zertifiziertes Alterstraumazentrum DGU und kooperiert mit einer Fachklinik. Unfallchirurgie und Geriatrie arbeiten eng zusammen, um die Behandlung älterer Patienten nach einem Sturz aufeinander abzustimmen.

Bad Pyrmont. Das AGAPLESION EV. BATHILDISKRANKENHAUS BAD PYRMONT mit seiner Unfallchirurgie und die m&i-Fachklinik Bad Pyrmont mit ihrer Fachabteilung für Geriatrie haben den Zertifizierungsprozess zum Alterstraumazentrum der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) erfolgreich durchlaufen. „Wir arbeiten eng zusammen, um ältere Patienten, die unter den Folgen von Stürzen leiden, vom ersten Tag an multiprofessionell zu behandeln“, erklärt Frank Blömker, Chefarzt der Fachabteilung für Unfall- und Handchirurgie, Sporttraumatologie bei AGAPLESION. „So können wir die Versorgung dieser alterstraumatologischen Patienten nachhaltig verbessern“, betont Dr. med. Tilman Kiene, Chefarzt für Innere Medizin / Geriatrie aus der Fachklinik.

Die Notwendigkeit einer flächendeckenden Etablierung leiten die Chefärzte aus Statistiken ab: „Ungefähr 30 Prozent der Patienten, die einen hüftgelenksnahen Bruch erleiden, versterben innerhalb des ersten Unfalljahres. 20 Prozent der alterstraumatisierten Patienten sind minder- und mangelernährt. 35 Prozent erleiden innerhalb von drei Monaten nach einem Unfall Folgestürze, wobei erst jeder fünfte Sturz zum Krankenhausaufenthalt führt. Dabei wären nach einer Befragung alter und ältester Patienten 80 Prozent lieber tot, als immobil im Rollstuhl oder im Bett zu enden.“

Traumatisierte Patienten aus dem AGAPLESION EV. BATHILDISKRANKENHAUS BAD PYRMONT ab einem Alter von 69 Jahren durchlaufen ein Aufnahmescreening. Das entscheidet darüber, ob sie die Kriterien für eine Aufnahme im Alterstraumazentrum erfüllen. Es wird geprüft, ob die Patienten im Alltag beeinträchtigt sind und ob Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. Beispielsweise werden die genaue Sturzursache, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), kognitive und motorische Fähigkeiten, Gedächtnis- und Rechenleistungen, Gleichgewichtsprobleme, Hören und Sehen untersucht. „Ein Delir, also eine akute Funktionsstörung des Gehirns, wird noch zu selten diagnostiziert. Dabei kann es lebensbedrohliche Ausmaße annehmen“, erklärt Blömker.  

Zwei Mal in der Woche finden gegenseitige Visiten statt. Das therapeutische Team, das sich einmal in der Woche trifft, ist interdisziplinär besetzt: Pflege, Physio- und Ergotherapeut, Ernährungsberatung, Sozialdienst, Facharzt für Geriatrie und Unfallchirurgie, bei Bedarf ein Logopäde. „Gemeinsam stellen wir einen individuellen und flexiblen Behandlungsplan und -ziele auf, besprechen die Motivation, Fortschritte und Perspektiven des Patienten“, berichtet Blömker. Sein Kollege und er haben ein Handbuch (Management Board) mit Zuständigkeiten und Handlungsempfehlungen erarbeitet. Die Vorteile des Zentrums liegen für Blömker auf der Hand: „Die Kommunikation läuft nun sehr geordnet, patienten- und prozessbezogen. Dies allein führt frühzeitiger zu Maßnahmen, die das Behandlungsergebnis positiv beeinflussen. Und die Leistungen der einzelnen Berufsgruppen werden viel stärker wahrgenommen.“

Einige Pflegekräfte aus der m&i-Fachklinik Bad Pyrmont sowie dem AGAPLESION EV. BATHILDISKRANKENHAUS BAD PYRMONT haben eine vom Bundesverband für Geriatrie (BVG) entwickelte und zertifizierte 80-stündige Fortbildung absolviert (Zercur Geriatrie). „Wir bieten eine aufwändige aktivierende Pflege an“, sagt Blömker. Krankengymnastik ab dem ersten Behandlungstag soll Patienten möglichst schnell wieder mobilisieren. „Gerade ältere und gebrechliche Menschen schaffen es nicht, ihre operierte Körperregion nach dem Eingriff weniger stark zu belasten. In 90 Prozent der Fälle
ermöglichen wir durch geeignete operative Verfahren eine Vollbelastung.“ Die Patienten erhalten außerdem eine Empfehlung zur Osteoporosetherapie.

Einige  Behandlungsdaten werden in ein Alterstraumaregister eingespeist. Blömker: „Die Daten bieten eine solide Basis für die Beurteilung unserer Behandlungsergebnisse und für weitere wissenschaftliche Analysen. So können wir daran mitarbeiten, dass die Versorgungsqualität alterstraumatologischer Patienten steigt.“

Das Bad Pyrmonter ist das erste Alterstraumazentrum DGU bei AGAPLESION, das elfte in Deutschland und eines der ersten in Norddeutschland. Die DGU hat für die Zertifizierungen in Kooperation mit geriatrischen Fachgesellschaften in Deutschland, Öster-
reich und der Schweiz im Jahr 2014 einen umfassenden Anforderungskatalog entwickelt.

Das Alterstraumatologische Zentrum der AGAPLESION ELISABETHENSTIFT gGmbH hingegen entspricht den Kriterien des Anforderungskataloges „atz – Alterstraumatologisches Zentrum“ des Bundesverbandes der Geriatrie (BVG), der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (DGGG). Das Darmstädter Zentrum gibt es bereits seit Oktober 2014.

Frank Blömker, Chefarzt der Fachabteilung für Unfall- und Handchirurgie, Sporttraumatologie bei AGAPLESION