Plötzlich aggressiv: Selbsthilfegruppe für Angehörige

05. Dezember 2014

AGAPLESION öffnet sich für Angehörige von Menschen mit Demenz. Ein Beispiel dafür ist die offene Selbsthilfegruppe Demenz im AGAPLESION BETHANIEN SOPHIENHAUS. Sie ist ein wertvoller Baustein im Rahmen der Entlastungsangebote. Hier begegnen sich Menschen, die Ähnliches erleben. AGAPLESION kooperiert dabei mit der Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V..

Die, die oft in die Gruppe kommen, sind Menschen, die ihre Angehörigen seit Jahren aufopferungsvoll pflegen. „Das ist die Generation, für die es selbstverständlich ist, dass man mit dem Ehepartner bis zum Tod zusammen bleibt“, sagt Cornelia Clauß (45). Sie leitet die Angehörigengruppe Demenz im AGAPLESION BETHANIEN SOPHIENHAUS. Dort ist sie die Haus- und Pflegedienstleiterin.
Clauß sieht die Rollen klar verteilt: „Ich bin nur die Moderatorin.“ Die Teilnehmer sind die wahren Experten. Sie sind es, die 24 Stunden am Tag mit dem demenzerkrankten Menschen zusammen sind. Der Schock sitzt tief, wenn der geliebte Ehepartner, der geliebte Elternteil sich verändert. Mit „herausforderndem“ Verhalten wird milde umschrieben, wenn Menschen mit Demenz aggressiv werden. Dieses Verhalten ist der Hauptgrund, warum die Angehörigen die Gruppe aufsuchen. „Dann tut es gut zu hören“, berichtet Clauß, „dass nicht man selbst, sondern die Erkrankung die Aggression hervorruft.“
Da ist zum Beispiel ein Mann, der seit zwei Wochen nicht duschen will. Seine Frau versucht, ihn zu überreden. Er will nicht, wird handgreiflich. Die Teilnehmer berichten, dass man in solchen Situationen einfach aufhören und einen passenden Moment abwarten muss. Das klingt erschreckend banal, „doch sonst macht man sich kaputt“. Auch Schuldgefühle plagen die Angehörigen, wenn sie den Betroffenen ins Heim geben. „Sie sind dann oft sehr kritisch gegenüber dem Pflegepersonal.“ Sie mischen sich ein und können es nur schwer aushalten, wenn es dem Angehörigen dort besser geht. Denn sofort stellen sie ihre eigene Pflegeleistung in Frage. „Dann muss man ihnen klar machen“, sagt die Moderatorin, „dass sie gute Arbeit leisten.“ Doch ein Heim habe ganz andere Möglichkeiten der Therapie und Beschäftigung.

Kontakt:
AGAPLESION BETHANIEN SOPHIENHAUS

Cornelia Clauß, Haus- und Pflegedienstleiterin, AGAPLESION BETHANIEN SOPHIENHAUS