Neuer Grippeimpfstoff verfügbar: Wie sinnvoll ist die Grippeschutzimpfung?

Ist die Grippe wirklich eine solch schwerwiegende Erkrankung?

Ja, ganz sicher. Es handelt sich dabei nicht um eine banale Erkältung, die man ganzjährig bekommen kann, sondern um eine häufig schwer und mitunter komplikativ verlaufende Erkrankung mit längerer Genesungszeit. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass jährlich etwa 12.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Virusgrippe sterben, etwa vier Mal mehr als Verkehrstote. Meist sind es ältere Patienten, aber auch jüngere Menschen mit chronischen Erkrankungen und Schwangere sind stärker gefährdet. Im Verlauf einer Influenza kann es zu einer schweren Lungenentzündung kommen, die auch tödlich enden kann. Patienten mit einer Koronaren Herzerkrankung haben während einer Grippeerkrankung ein etwa 2000-fach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO), eine Expertenrunde im RKI, empfiehlt eine jährliche Impfung für alle Personen ab 60 Jahre, für Patienten mit chronischen Erkrankungen und zu deren Schutz auch für die häuslichen Angehörigen. Ganz wichtig sind hier insbesondere Patienten, bei denen das Immunsystem durch eine Erkrankung oder Therapie beeinträchtigt ist (onkologische und immunsuppressive Therapie).

Weiterhin sollten Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel geimpft werden, da eine Influenza hier schwer mit Gefährdung für Mutter und Kind verlaufen kann. Da sich die Grippe in Alten- und Pflegeheimen sehr schnell ausbreiten und zu vielen Todesfällen führen kann, sollten alle Bewohner jährlich geimpft werden. Personen mit Publikumsverkehr oder ständigem Kontakt zu Geflügel oder Wildvögeln wird ebenfalls die Impfung empfohlen.

Ganz wichtig ist medizinisches Personal: Geimpftes ärztliches und pflegendes Personal schützt nicht nur sich, sondern auch die ihnen anvertrauten Patienten. Da muss man sich seiner Verantwortung bewusst sein: Wer Patienten mit Influenza ansteckt, gefährdet sie schwer. Und wenn Influenza-bedingt viele ungeimpfte Mitarbeitende ausfallen, ist die Patientenversorgung gefährdet. Dazu kommt der notwendige Eigenschutz, da medizinisches Personal deutlich häufiger mit Grippekranken Kontakt haben und somit eine höhere Infektionsgefährdung aufweist.

Wann sollte ich mich gegen Grippe impfen lassen?

Der aktuelle Impfstoff steht meist ab September zur Verfügung. Bis Mitte Dezember sollte geimpft sein, da man etwa 10-14 Tage braucht, um Impfschutz aufzubauen. Die Grippesaison beginnt in unseren Breiten meist Ende Dezember/Anfang Januar und endet in der Regel im März, manchmal auch im April. Man ist durch die Impfung für mindestens sechs Monate weitestgehend vor einer Influenza-Infektion geschützt. Sollte man die Impfung verpasst haben, ist es auch während der laufenden Grippesaison noch sinnvoll, sich impfen zu lassen, solange die Erkrankungszahlen noch nicht rückläufig sind. Hierzu stehen Ärzten über das Paul-Ehrlich-Institut stets aktualisierte Informationen zur Verfügung.

Warum muss man sich jeden Winter impfen lassen?

Die Impfstoffzusammensetzung verändert sich ständig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legt aus den Erfahrungen des ersten Halbjahres mit der Grippe in Asien fest, von welchen Virenstämmen aktuell die meiste Gefährdung ausgeht. Derzeit beinhalten die Standardimpfstoffe je zwei Influenza-A- und B-Stämme, gegen die das Immunsystem dann Antikörper aufbauen kann.

Wie wirksam ist der Grippeimpfstoff?

Man geht von einem Impfschutz um 70 Prozent aus. Sogenannte Impfdurchbrüche (Erkrankung trotz Impfung) können vorkommen - wie bei jeder anderen Impfung auch. Häufig handelt es sich bei Infekten dann aber um andere Erreger als Auslöser, gegen die nicht geimpft werden kann. Manchmal verändern sich auch Influenzaviren in ihrer Struktur während der Saison, so dass der Impfstoff nicht mehr so gut schützen kann. Aber das ist eher eine Ausnahme, nicht der Regelfall und kein Grund, auf den Impfschutz zu verzichten.

Ist die Grippeimpfung sicher und welche Nebenwirkungen können auftreten?

Moderne Imfpstoffe, auch die Grippeimpfung, sind sehr sicher. Wir haben in meiner Praxis bei hunderten von Impfungen pro Jahr seit über einem Jahrzehnt keine relevante Nebenwirkung mehr gesehen.

Das Immunsystem setzt sich natürlich mit der Impfung auseinander: Einer von zehn bekommt eine Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, dann kann man lokal kühlen. Einer von 100 fühlt sich nach etwa zwei Tagen wie bei einem beginnenden Infekt; meist geht das rasch wieder weg oder man kann etwas Paracetamol dagegen einnehmen. Etwa einer von 500.000 muss mit einer Nerven- oder Gefäßentzündung rechnen, die im Einzelfall auch mal schwerwiegender und behandlungspflichtig verlaufen kann. Allergische Reaktionen sind immer möglich. Aber durch die inzwischen hohe Reinheit der Impfstoffe werden selbst bei Hühnereiweißallergie in kontrollierten Studien kaum mehr Reaktionen gegen die Influenza-Impfstoffe gesehen, die zumeist aufwändig auf Hühnereiern angezüchtet werden.

Die häufig selbst bei Fachpersonal vorhandenen Bedenken gegen die Grippeimpfung haben keine rationale Grundlage. Der bei Erwachsenen verwendete Totimpfstoff kann keine Influenza auslösen. Während leichterer Atemwegsinfekte kann geimpft werden, solange keine Körpertemperatur über 38*C besteht, weil ansonsten die Impfantwort des Immunsystems zu schwach sein kann.

Die Nutzen-Risiko-Abwägung spricht ganz klar für die Durchführung der Impfung: Vergleichsweise hoher Schutz bei sehr geringem Risiko. Ich empfehle allen Risikogruppen, sich gegen die Virusgrippe impfen zu lassen, solange Impfstoff vorrätig ist.

Wo können Sie sich impfen lassen?

Impfen lassen können Sie sich in den AGAPLESION MEDIZINISCHEN VERSORGUNGSZENTREN. Finden Sie die passenden Ansprechpartner in Ihrer Region mit unserem Standortfinder >