Hygiene und Sicherheit: Zum Wohl unserer Patienten

17. Juli 2015

AGAPLESION ist Mitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS). Wir sprachen mit der Vorsitzenden des Bündnisses Hedi François-Kettner.

Warum wurde das Aktionsbündnis Patientensicherheit  (APS) gegründet?
François-Kettner: Am 11. April 2005 schlossen sich Vertreter verschiedener Gesundheitsberufe, ihrer Verbände, von Patientenorganisationen und aus Industrie und Wirtschaft zusammen, um die Patientensicherheit weiterzuentwickeln und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu etablieren. Mittlerweile zählt der gemeinnützige Verein mehr als 560 Mitglieder. An der Universitätsklinik in Bonn wurde bereits 2009 vom APS das Institut für Patientensicherheit gegründet. Es soll u. a. die Handlungsempfehlungen des APS in der Praxis überprüfen.

Welche Handlungsempfehlungen macht das Aktionsbündnis Patientensicherheit?
François-Kettner: Wir erarbeiten einerseits Empfehlungen für die Akteure in den Gesundheitseinrichtungen, andererseits aber auch für Patienten, um sie hin zu mehr Souveränität zu unterstützen. Multiresistente Krankenhauskeime oder vergessenes OP-Material im Körper von Patienten – jeder kennt die Medienberichte. Diesen Situationen entgegenzuwirken und sachgerecht ohne Skandalisierungen aufzuklären, sind grundlegende Ziele des Aktionsbündnisses Patientensicherheit. Dabei geht es grundsätzlich nicht um Schuldzuweisungen, sondern vielmehr um Lösungen und gemeinsames Lernen.

Wie gut sind deutsche Gesundheitseinrichtungen aufgestellt, was das Thema Sicherheit und Hygiene betrifft?

François-Kettner: Vieles ist erreicht worden, über 1.700 Einrichtungen machen z. B. mit bei der „Aktion Saubere Hände“. Aber es sind längst nicht alle! Viele kümmern sich umfassend um Hygiene und Infektionsprävention. Aber wir haben auch immer noch zahlreiche Hinweise, dass vorhandene Empfehlungen nicht umgesetzt werden. Die derzeit laufende Befragung zum Stand des klinischen Risikomanagements in deutschen Krankenhäusern wird hoffentlich darüber Auskunft geben, wie sich die Szene seit 2011 entwickelt hat. Das 10-Punkte-Papier des Bundesgesundheitsministers wird derzeit von der „Infektion-Prävention-Initiative“ des APS (zusammen mit acht medizinischen Fachgesellschaften) mit Anmerkungen, Kommentaren und Anregungen versehen, um die Gesundheitseinrichtungen, aber auch die Politik, bei ihren Bemühungen im Thema zu unterstützen.

Warum ist es wichtig, sich offen mit Fehlern auseinanderzusetzen?
François-Kettner: Fehler waren lange ein Tabu – heute werden sie zunehmend als Chance verstanden, andere zu informieren, damit ihnen nicht Gleiches passiert. Unsere Broschüren „Aus Fehlern lernen“ oder auch „Reden ist Gold“ geben Anregungen für eine neue Sicherheitskultur. Fehler sind sowohl für die Opfer als auch für die, denen sie passieren, mitunter hoch tragisch im Verlauf. Wir sprechen deshalb auch vom „Second Victim“. Sie bedürfen nicht selten professioneller Unterstützung, damit sie ihre Balance nicht verlieren und wieder arbeitsfähig werden.

Mit welchen Sicherheitsaspekten werden sich Gesundheitseinrichtungen der Zukunft vor allem befassen müssen?
François-Kettner: Prinzipiell müssen sich alle mit allen Risikopotenzialen befassen. Keine Einrichtung kann sich ernsthaft leisten, Fehler zu ignorieren. Jeder Skandal kann für eine Einrichtung das Aus bedeuten. Die derzeit laufenden Arbeitsgruppen im APS zeigen exemplarisch die Felder auf, bei denen Handlungsbedarfe immer noch auf der Hand liegen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Im Gespräch mit Hedi François-Kettner, der Vorsitzenden des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Foto: Wiebke Peitz, Berlin