Katheter ersetzt große Herzoperation – Neue Behandlungsmöglichkeit der defekten Mitralklappe

14. April 2020

Die Mitralklappe befindet sich zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer und verhindert den Rückfluss von Blut bei der Pumpbewegung des Herzens. Schließen aber krankheitsbedingt die beiden Segel der Klappe nicht korrekt, „kommt es zu Pendelblut, das zwischen Kammer und Vorhof hin und her fließt“, erklärt PD Dr. med. Kaffer Kara, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am AGAPLESION ALLGEMEINE KRANKENHAUS HAGEN. Die Folge: Das Herz muss viel mehr Kraft aufbringen als eigentlich notwendig, um das Blut durch den Körper zu pumpen und arbeitet völlig ineffektiv. Dies muss in der Regel operativ behandelt werden, wobei ein solcher Eingriff gerade für ältere Menschen mit zum Teil auch schwerwiegenden Begleiterkrankungen eine große Belastung sein kann. Dr. Kara betont:

Die Behandlung mit dem Mitra-Clip-Verfahren ist dagegen deutlich schonender und mit weniger Risiken verbunden.

Bei dem Eingriff schieben die Herzspezialisten einen Katheter mit einer Klammer, die ihren Namen übrigens von der ähnlich aussehenden Bischofsmütze (Mitra) erhalten hat, über die Leistenvene an Ort und Stelle und heften damit die beiden undichten Segel zentral aneinander, sodass der Durchfluss gestoppt und eine annährend normale Klappenfunktion wieder hergestellt wird. „Dies ist echte Millimeterarbeit“, erklärt der Hagener Herzspezialist.

Weil die Positionierung des Clips millimetergenau und räumlich korrekt erfolgen muss, wird das Einsetzen während des Eingriffs permanent mit einem 3D-Ultraschall über die Speiseröhre überwacht. „Hierfür haben wir extra ein neues Untersuchungsgerät angeschafft, welches uns vor und während des Eingriffes sehr genaue dreidimensionale Bilder liefert“, erklärt der Hagener Kardiologe weiter. Mit deren Hilfe könne man bereits vorab den Eingriff präzise planen und die genaue Umsetzung stets kontrollieren.

Allerdings: Bevor ein Mitra-Clip überhaupt eingesetzt werden kann, müssen umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt und vom sogenannten „Heart-Team“, bestehend aus interventionellen Kardiologen, einem Herzchirurgen, Kardio-Anästhesisten und einer speziell geschulten Ultraschall-Fachkraft die Eignung des Patienten festgestellt werden. „Es gibt zum Beispiel anatomische Begebenheiten, bei denen wir keinen Mitra-Clip einsetzen können“, betont Dr. Kara. Zudem ist das Verfahren insbesondere für schwerstkranke Betroffene etabliert, für die eine Standardoperation ein zu großes Risiko darstellen würde. Insgesamt stecken zwei Jahre Vorbereitungszeit in der Umsetzung des Verfahrens am AGAPLESION ALLGEMEINE KRANKENHAUS HAGEN, um die rechtlichen, organisatorischen, medizinischen und technischen Voraussetzungen für das Verfahren zu schaffen. „Aber das Ergebnis gibt uns recht“, findet Dr. Kara. Denn „unsere Patienten merken nicht nur relativ schnell eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden; auch Studien belegen die Wirksamkeit durch eine Verringerung der Anzahl der Krankenhausaufenthalte und in einem etwa um die Hälfte geringeren Sterblichkeitsrisiko“, so der Experte weiter.