Trend: Ein Krankenhaus der kurzen Wege entsteht

03. Mai 2014

Das Gesamtklinikum für das Schaumburger Land und das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM HAMBURG wurden nach modernen Aspekten konzipiert.

Das Gesamtklinikum für das Schaumburger Land und das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM HAMBURG wurden nach modernen Aspekten konzipiert. Kurze Wege für Personal, Patienten und Gäste waren ausschlaggebend. Diese Strategie schafft Zeitersparnis und effiziente Abläufe.

Beispiel 1: Logistisch effektiv im Schaumburger Land

„Ein Krankenhaus der kurzen Wege war ein wichtiges Kriterium, nach dem die Jury das Gewinnermodell im Architektenwettbewerb ausgewählt hat“, sagt Projektmanagerin Iris Kruse-Faulhaber von der Krankenhausprojektgesellschaft Schamburg mbH. Das neue Gesamtklinikum für das Schaumburger Land soll Mitte 2016 stehen. „Kurze Wege erleichtern die tägliche Arbeit“, erklärt Kruse-Faulhaber. Personal und Patienten sparen Zeit, können sich auf ihre Kernaufgaben und Behandlungen konzentrieren.

Besonders beliebt ist die Rohrpostanlage. „Damit können beispielsweise Dokumente, Blutproben und anschließend deren Ergebnisse bequem verschickt werden, ohne dass extra jemand losgehen muss“, erläutert die Projektmanagerin. Auch baulich schlägt sich das Konzept der kurzen Wege nieder. Das Gesamtklinikum wird über drei Kuben verfügen. Jeder Kubus hat im Zugangsbereich der Aufzüge ein kleines Versorgungszentrum. „Der Hol- und Bringedienst kann schnell Speisen und Verbrauchsmaterial anliefern und den Müll abtransportieren“, so Kruse- Faulhaber. Zwei Aufzugskerne verbinden jeweils den Ost- und West- mit dem Nordkubus. Gemeinsam mit diversen Treppenhäusern stellen sie die vertikale Erschließung des Gebäudes sicher. Gleichzeitig werden Funktionszusammenhänge so geplant, dass die Wege von Mitarbeitern weitestgehend vertikal innerhalb eines Kubus oder horizontal auf einer Ebene verlaufen können.

Das erklärt Kruse-Faulhaber an folgendem Beispiel: Ein Kardiologe hält im Erdgeschoss seine Sprechstunde ab. Auf der Ebene 1 ist das Linksherzkatheterlabor, auf den Ebenen 2 und 3 desselben Kubus ist die Station mit den internistischen Betten. „So kann ein Arzt über das Treppenhaus schnell zwischen den Ebenen wechseln und muss nicht quer durch das ganze Haus laufen“, erklärt die Projektmanagerin.

Beispiel 2: „Kurzer Draht“ zueinander in Hamburg

In Hamburg hat sich das Konzept bereits bewährt. „Wir wollten die Wege für das Personal kurz halten und den Patienten strukturiert durch unser Haus leiten“, sagt Geschäftsführer Jörn Wessel vom AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM HAMBURG. Im Neubau gibt es zwei Achsen. Die eine Achse ist Liegendpatienten und dem Warenverkehr vorbehalten. Fahrstühle werden mit einem Chip aktiviert, sie sind nicht öffentlich zugänglich und werden nur intern genutzt. So kann man die Patienten vom Publikumsverkehr abgrenzen und schützt ihre Privatsphäre. Die andere Achse ist für gehfähige Patienten, Besucher und Gäste. Hier sind die Fahrstühle für die Öffentlichkeit bestimmt, Betten passen nicht hinein. Zudem sind die Büros der Geschäftsleitung sowie die der Chef- und Oberärzte in einem Gebäudekomplex untergebracht. „Man hat einen kurzen Draht zueinander“, benennt Wessel den Vorteil. Themen können schnell abgestimmt werden, die Gesprächspartner sind nicht auf zeitaufwändige Kommunikationswege wie E-Mails angewiesen.

Im Bereich Aufnahme und Ambulanz sind alle Sprechstunden zentral untergebracht, es gibt 22 Untersuchungszimmer. Das interdisziplinäre System spart Zeit und klärt schnell ab, in welcher Abteilung der Patient weiterhin behandelt werden muss. Räumlich verzahnt sind auch Linksherzkathetermessplatz, Röntgen und Notaufnahme. Der OP und der Sterilisationsraum liegen auf einer Ebene, die Intensivstation liegt gleich nebenan. Die „schneidenden Fächer“ sind in einer Ebene über dem OP angesiedelt. Auch die Kreißsäle, die Geburtsstation und der Kaiserschnitt- OP (Sectio-OP) befinden sich auf einer Etage. Besonders bemerkenswert findet Wessel, dass der Neubau an einen Sportplatz mit Kunstrasen angrenzt. Die Patienten haben das Fußballfeld sowie ein Beachvolleyballfeld direkt im Blick, „das empfinden sie als sehr angenehm“.

Von der „Magistrale“ aus, einem langen und zentral gelegenen Gang, erreichen die gehfähigen Patienten und Gäste wichtige Anlaufstellen im AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM Hamburg.

Lichtdurchflutet und hell: So soll die Eingangshalle im Gesamtklinikum für das Schaumburger Land aussehen.