Medizinisches Konzept der Palliativversorgung

14. Dezember 2016

Bei Menschen, die am Lebensende stehen, spielen ambivalente Gefühle eine besondere Rolle. Sie müssen ins medizinische Konzept der Palliativversorgung integriert werden.

Frankfurt. Das Team um Dr. med. Angelika Berg, Leitende Ärztin im Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin (IZP) am AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS, reflektiert regelmäßig Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag. „Dabei stellten wir fest“, sagt sie, „dass uns die Ambivalenzen der Patienten und ihrer Zugehörigen konzeptionell herausfordern.“

Ambivalentes Verhalten zeichnet sich dadurch aus, dass die Patienten mit Widersprüchen kämpfen, die ihre Gefühle, Wünsche und Beurteilungen beeinflussen. „Konflikte beziehen sich häufig auf die Frage der weiteren Unterbringung“, sagt Dipl.-Kunsttherapeutin Friederike Strub. „Das Zuhause ist vertraut und damit attraktiv, das Hospiz bietet aber die bessere Versorgung.“ Dr. sc. hum. Angelika Richter, Dipl.-Psychologin und Psychoonkologin, ergänzt: „Im palliativen Setting wird die Ambivalenz im Dienste der Autonomie des Patienten ausgehalten. Falls gewünscht, wird eine multiprofessionelle therapeutische Begleitung bei der Bearbeitung der Ambivalenz angeboten.“

In der Kunst sind Ambivalenzen ein Qualitätsmerkmal. „In meinen Therapiestunden können die Patienten ihre Ambivalenzen gestalterisch, nonverbal und oft auch unbewusst ausdrücken“, berichtet Strub. „Oft kann dann über die verschiedenen Seiten der Ambivalenz einfacher gesprochen werden.“

Das IZP gestaltete ein Poster, das Mitarbeitende im September zum Kongress der Deutschen Gesell-schaft für Palliativmedizin (DPG) mitnahmen. „Forschungen und Veröffentlichungen zum Thema Ambivalenzen sind wünschenswert“, findet Berg. „Das kommt noch viel zu kurz.“

Kunsttherapie mit Friederike Strub: Patienten können ambivalente Gefühle gestalterisch ausdrücken.