Medizinstudenten trainieren mit Simulationspatienten

01. Januar 2014

Das AGAPLESION BETHANIEN KRANKENHAUS HEIDELBERG ist Akademisches Lehrkrankenhaus und Geriatrisches Zentrum am Klinikum der Universität Heidelberg. Im Rahmen der Ausbildung von Medizinstudenten im Querschnittsfach Geriatrie werden seit dem Wintersemester 2013 / 14 Simulationspatienten eingesetzt.

 

Die Finanzierung erfolgt durch das Land Baden Württemberg im Zuge eines Projekts zur Sicherung der Qualität in Studium und Lehre. Eine Anschlussförderung ist beantragt. Ältere Schauspielerinnen verkörpern eine vorgegebene Rolle in einem Arzt-Patientengespräch. Das „Drehbuch“ haben wir entwickelt. Die Schauspielerinnen wurden vor ihrem ersten Einsatz durch uns in die Rolle eingewiesen. Danach gibt es regelmäßige Gespräche zur Rückkopplung. Der Unterricht erfolgt in Kleingruppen und umfasst 50 Minuten für das Arzt-Patientengespräch.

Im Anschluss findet im Rollenspiel eine interdisziplinäre Fallbesprechung statt: Die Studierenden übernehmen zu zweit oder zu dritt die Funktion der an der Besprechung beteiligten Berufsgruppen (Arzt / Ärztin, Pflegekraft, Physiotherapeut / in, Ergotherapeut/ in, Logopäde / in, Sozialarbeiter / in). Dieser Unterrichtsteil umfasst ebenfalls 50 Minuten. Vor Beginn des Unterrichts werden die Studenten in die Situation eingewiesen. Das Augenmerk soll auf die geriatrischen Syndrome gelenkt werden. Abschließend bespricht der Dozent das Arzt-Patienten-Gespräch mit den Studierenden. Lernziele des Seminarunterrichts sind:

  • Übung in der Kommunikation mit einer schwierigen Patientenpersönlichkeit
  • Erfassen der Multimorbidität des geriatrischen Patienten
  • Erfassen der multifaktoriellen Genese einer Gangstörung
  • Erkennen einer Schluckstörung
  • Verwendung adäquater Assessmentverfahren
  • Einblick in die Arbeitsschwerpunkte der anderen Berufsgruppen im interdisziplinären Team
  • Erarbeiten eines auf den konkreten Fall bezogenen Therapie- und Versorgungsplans


Die jetzt angewandte Unterrichtsform hat ein zeitlich gleich langes Seminar abgelöst, das als Frontalunterricht angelegt war. Die Erfahrungen und Ergebnisse mit dieser Unterrichtsform lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Der Erfolg des Unterrichts ist sehr stark vom Einfühlungsvermögen des Schauspielpatienten abhängig. Nicht jedem gelingt es, die angelegte Rolle so wie von uns beabsichtigt umzusetzen.
  • Da Schauspielpatienten an der Universität Heidelberg häufig eingesetzt werden, ist bei den Studierenden eine gewisse Gewöhnung an dieses Unterrichtsmedium festzustellen.
  • Im Vergleich zur vorher angewandten Unterrichtsform ist eine Verbesserung der Aufmerksamkeit sowie der Akzeptanz bei den Studierenden eingetreten.
  • Bei geeigneter Auswahl der Schauspieler sowie der Rolle können Studierende komplexe Zusammenhänge im direkten „Patientenkontakt“ erarbeiten. Die so gewonnenen Erkenntnisse können sie anschließend aktiv einsetzten.
  • Die Durchführung einer Teambesprechung ermöglicht den Studierenden, sich in die Rolle und den Aufgabenbereich anderer Berufsgruppen hineinzuversetzen. Zusätzlich werden sie von der Dozentin angeleitet, die Ist-Situation und die individuellen Ziele mit einer professionellen Sprache prägnant und präzise zu beschreiben.
  • Eine formale Evaluation des neuen Konzepts wurde per Fragebogen durchgeführt. Die Auswertung machte die Universität. Insgesamt wurde das Modul gut angenommen. Anregungen der Studierenden wurden eingearbeitet.

Der Einsatz von Simulationspatienten ist mit einem deutlich erhöhten personellen und zeitlichen Einsatz verbunden, er hilft aber bei der Vermittlung komplexer Zusammenhänge.

Dr. med. Tania Zieschang, Chefärztin für die Akutgeriatrie, Kurskoordinatorin Geriatrie für die HeiCuMed (Heidelberger Curriculum Medicinale)
Dr. med. William Micol, Chefarzt geriatrische Rehabilitation