Milz zu 99 Prozent entfernen: Spezialist für seltenen Gendefekt

17. April 2015

PD Dr. Gerhard Stöhr heißt seit dem 1. November 2014 der neue Leiter der Fachabteilung für Allgemeinchirurgie am AGAPLESION EV. BATHILDISKRANKENHAUS BAD PYRMONT. Der ausgewiesene onkologische und minimal invasive Chirurg hat eine OP-Technik der Milz bei der sogenannten Kugelzellanämie mitentwickelt. Er leitet auch das entsprechende Kompetenzzentrum mit Hauptsitz am Krankenhaus.

Die Kugelzellanämie (auch Sphärozytose) ist eine seltene genetisch bedingte Knochenmarkserkrankung. Sie tritt schon im Kindes- und Jugendalter auf. „Den Betroffenen fehlen zwei Proteine, so dass die Zellmembran der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) instabil ist“, sagt PD Dr. Gerhard Stöhr. Sie nehmen verstärkt Flüssigkeit auf und werden kugelförmig. In der Milz bleiben sie hängen, werden herausgefiltert und zerfallen (Hämolyse). Die Folge ist Blutarmut (Anämie). Häufige Krankheitszeichen sind Müdigkeit, Leistungsabfall und Kopfschmerzen. Bei der Hämolyse werden verstärkt Abbauprodukte wie Bilirubin frei, ein Gallenfarbstoff. Gallensteine und Gelbsucht können die Folge sein.

Bahnbrechende OP-Technik entwickelt
Noch vor 20 Jahren war es gang und gäbe, die Milz bei einer Kugelzellanämie komplett zu entfernen. „Doch die Milz ist wichtig für die Abwehr von Krankheitserregern“, berichtet Stöhr. Sie produziert Antikörper, beispielsweise gegen Pneumokokken (lösen Lungen- und Mittelohrentzündung aus)  und Meningokokken (lösen Gehirnhaut- und Gehirnentzündungen aus). Wird die Milz komplett entfernt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten daran erkranken und sterben können.

Bahnbrechend: 1995 haben Stöhr und der Kinderhämatologe und Onkologe Prof. Stefan Eber am Universitätsklinikum Göttingen eine OP-Technik entwickelt, bei der die Milz nur teilweise entfernt wird. Später kam Prof. Dr. Markus Rose dazu. „Wir entnehmen die Milz zu 99 Prozent“, sagt Stöhr. „Die Areale, die die Antikörper bilden, bleiben erhalten.“ Die Mediziner publizierten die Methode und stellten sie auf Kongressen vor, so dass sie heutzutage auch an anderen Kliniken angeboten wird. „Wir haben aber mit Abstand die meisten Operationen durchgeführt“, betont Stöhr, der seit 1995 Erfahrung mit 130 Patienten gemacht hat. Er merkt an, dass die Teilentfernung der Milz nur bei der Kugelzellanämie und nicht bei anderen hämolytischen Anämien vorgenommen werden kann.

Mit Stöhr hat nun auch das Deutsche Kompetenzzentrum für die Sphärozytose seinen Hauptsitz am AGAPLESION EV. BATHILDISKRANKENHAUS BAD PYRMONT. Außerdem wurde die Fachabteilung für Allgemeinchirurgie um den Fachbereich Viszeralchirurgie und das Zentrum für Minimalinvasive Chirurgie erweitert. Stöhr ist Facharzt für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie und vertritt zusätzlich die spezielle chirurgische Intensivmedizin. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der endokrinen Chirurgie sowie der gesamten Viszeralchirurgie gut- und bösartiger Erkrankungen. Zusätzlich kommt er weiterhin seinem Lehrauftrag am Universitätsklinikum Göttingen nach.  

 

Kontakt:
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