Mit einer Klingel am Zimmer wird der Gastgeber zum Gast

13. November 2015

Die Privatsphäre für einen alten Menschen in einer Wohn- und Pflegeeinrichtung ist ganz wichtig. Er möchte gerne Gastgeber bleiben, wenn ihn seine Gäste besuchen, und er möchte das Gefühl haben, dass er Zuhause ist. Wie sein Team das schafft, und warum eine Klingel die Lösung war, berichtet Hausleiter Carlos de la Fuente.

 

Die Idee mit der Klingel fiel im Frankfurter AGAPLESION HAUS SAALBURG während einer Fallbesprechung unter Kollegen. Im Demenzbereich wohnte eine Dame, der es einfach nicht gefiel, wenn das Pflegepersonal in ihr Zimmer kam. Zwar klopften die Mitarbeitenden an ihre Tür, aber das war der Frau offenbar nicht genug. Sie empfand es als Eingriff in ihre vier Wände. Großer Stress baute sich auf, der die Seniorin und natürlich auch das Team belastete.

Die Klingel war die Lösung: Sie wurde an die Zimmertür angebracht und von den Mitarbeitenden fortan gedrückt. „Diese Absprache hat die meiste Zeit gut funktioniert“, sagt Hausleiter Carlos de la Fuente. Der Stress fiel weg, die  Bewohnerin konnte sogar auf Beruhigungsmittel verzichten, die ihr vor dem Aufenthalt im AGAPLESION HAUS SAALBURG verschrieben worden waren.

Diese Geschichte hat für den Hausleiter einen hohen Symbolcharakter: „In unseren Wohn- und Pflegeeinrichtungen wohnen Menschen, meist bis zu ihrem Lebensende, die ein neues Zuhause gefunden haben“, erklärt er. Die Mitarbeitenden werden selbst zu Gästen, wenn sie die Privatsphäre dieser Bewohner betreten, ganz gleich, ob das den Pflegebereich oder den Bereich Servicewohnen betrifft. „Aber“, das ergänzt de la Fuente sogleich, „es ist schwer, tatsächlich eine neue Heimat zu bieten. Das Wort „Heimat“ ist aufgeladen mit Begriffen wie Familie, Herkunft und Prägung. Wir tun aber alles dafür, damit sich unsere Bewohner bei uns zumindest wie Zuhause fühlen.“ Und die Rückmeldungen zeigen, dass die Mitarbeitenden das auch oft schaffen.

Manchmal muss es das Geschirr mit dem Goldrand sein
Viele Kleinigkeiten, die in der Summe aber ein großes Ganzes bilden, sorgen dafür. Wenn ein Bewohner beispielsweise Geburtstag feiern möchte, möchte er auch selbst Gastgeber sein, so wie er es Zuhause jahrzehntelang war. Dann nutzt er gerne ein sogenanntes „Wohnzimmer“ auf der Station. „Wenn er kann, entscheidet der Bewohner gerne mit. Er wünscht sich das besondere Geschirr mit dem Goldrand, die besonders festliche weiße und gestärkte Tischdecke, bestimmte Blumen, die er so gerne mag. Und wenn er kann, deckt er mit ein oder ist zumindest dabei“, berichtet de la Fuente.

Es geht um Selbstbestimmung. Dass die meist noch rüstigen Bewohner aus dem Bereich Servicewohnen ihre Apartments verlassen, gerne auch mit ihrem Wagen aus der Tiefgarage, liegt auf der Hand. Doch auch die Bewohner aus dem Pflegebereich, sofern sie das noch können, gehen gerne in die Innenstadt, selbstbestimmt, wie sie das auch Zuhause gewohnt waren. Der Frisör, eine alte Bekannte, ein Supermarkt oder „nur“ das Restaurant im AGAPLESION HAUS SAALBURG: Das sind die Ziele, die die Menschen aufsuchen, weil sie danach gerne nach Hause gehen, ins AGAPLESION HAUS SAALBURG.

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AGAPLESION HAUS SAALBURG