Nachgedacht: Den guten Geist bewahren

29. Januar 2018

Der Mensch im Mittelpunkt: Tätige Nächstenliebe nachhaltig im Gesundheitswesen verankern. Der Glaube steht heutzutage vor großen Herausforderungen. Die Welt wird säkularer und schneller, Althergebrachtes steht in Konkurrenz zu hippem Lifestyle. Doch wir wissen um die Bedeutung der christlichen Tradition: Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt und um sein Wohl wollen wir uns nach Jesu‘ Vorbild kümmern. Denn Nächstenliebe ist eine Haltung, die unser Leben menschlich und lebenswert macht.

Der Begriff Nachhaltigkeit kommt übrigens aus der Forstwirtschaft: Dort muss man heute Bäume pflanzen, die aber erst die nächste Generation ernten kann. Nachhaltigkeit schaut daher nicht auf den schnellen Erfolg, aber sie ist nicht weniger wirksam, ganz im Gegenteil. So ist es auch mit der Sorge, das Sich-Kümmern um den Mitmenschen.

Diesen Ansatz verfolgten vielerorts Diakonissen, die die AGAPLESION Einrichtungen von Anfang an geprägt haben. Einige wenige von ihnen sind noch immer aktiv − wie Schwester Annemarie Weseloh (89) und Schwester Christa Godemann (88). Die Rotenburger Diakonissen aus dem Mutterhaus unterstützen ehrenamtlich das AGAPLESION HAUS AM GUTEN HIRTEN. Beide tragen den diakonischen Gedanken durch ihr Wirken weiter. Es ist ihnen eine Herzensangelegenheit, sich um ältere pflegebedürftige Menschen zu kümmern: Sie sollen nicht in Vergessenheit geraten und einen würdevollen Lebensabend verbringen.

Auch ich als Pfarrer weiß, welchen Stellenwert Nachhaltigkeit im geistlichen Wirkungsfeld hat: Der Beruf ist zugleich Berufung, der man ein Leben lang folgt – im Vertrauen, dass Gott dem eigenen Wirken Nachhaltigkeit und seinen Segen schenkt. Liederdichter Paul Gerhard drückt dies so aus:

Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzeln treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.

Schwester Annemarie (l.), früher in der Krankenpflege und als Hebamme in Afrika tätig, singt mit den Bewohnern des AGAPLESION HAUS AM GUTEN HIRTEN altbekannte Lieder und schenkt ihnen ein offenes Ohr. Schwester Christa hat in der Inneren Medizin und als Ergotherapeutin gearbeitet. Sie reicht in der stationären Pflege das Essen an und unterstützt ein geselliges Treffen der Bewohner, das jeweils zu einem Thema stattfindet.

Autor: PD Pfarrer Dr. Holger Böckel, Leiter AGAPLESION Institut für Theologie – Diakonie – Ethik, AGAPLESION gAG