Nachgedacht: Ein Gefühl von Geborgenheit

22. Juli 2015

Unsere Bewohner und Gäste müssen sich auf uns verlassen können. Nur so fühlen sie sich sicher und geborgen. Der Zusammenhang von Verlässlichkeit und Sicherheit ist auch schon in der Bibel verankert.

Die Themen Patienten- und Bewohnersicherheit in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen werden heute vielfach diskutiert. Die Berichterstattung und die Meinungen schwanken zwischen ernsthafter Besorgnis und Panikmache, zwischen sachlicher Information und Unterstellung. Es ist ja in der Tat wichtig, dass Menschen, die sich uns anvertrauen, ein hohes Maß an Sicherheit garantiert bekommen. Und ebenso bedeutungsvoll ist, dass sie sich auch sicher fühlen. Doch genau da herrscht nicht selten eine Diskrepanz – zwischen der einerseits tatsächlich vorhandenen hohen Sicherheit und einem Unsicherheitsempfinden auf der anderen Seite.

Für mich ist interessant, dass es im biblischen Hebräisch, der ursprünglichen Sprache des Alten Testaments, einen tragenden Begriff gibt, der zugleich Vertrauen und Sicherheit bedeutet: „batách“. Da wird also zusammengedacht, was wir so oft trennen. In den biblischen Texten kommt auf diese Weise zum Ausdruck, dass es ein tiefes Empfinden von Sicherheit ohne Vertrauen gar nicht geben kann. Das gilt zuerst für das Verhältnis der Menschen zu Gott. Ich habe keine auf einem sicheren Wissen basierende Garantie dafür, dass Gott für mich da ist. Dass ich dessen aber dennoch gewiss sein kann, ist tiefster Ausdruck des Glaubens, des Vertrauens auf ihn. Für den, der glaubt, ist diese Gewissheit so sicher wie das Amen in der Synagoge bzw. in der Kirche: „Gott kann ich mich anvertrauen. Das gibt meinem Leben Sicherheit und Geborgenheit.“

Was in der Gottesbeziehung eine so wesentliche Rolle spielt, prägt im biblischen Verständnis auch das Zusammenleben der Menschen: Nur wo auf Menschen Verlass ist, wird es wirkliche Sicherheit geben.

Daraus lässt sich für unsere Herangehensweise an das Thema eine Menge lernen. Höchste Sicherheitsstandards und deren Einhaltung müssen eine Selbstverständlichkeit sein. Aber die konsequente Umsetzung von Gesetzen und Richtlinien allein genügt nicht. Es braucht auch Menschen, die durch ihre Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit, Kompetenz und Aufmerksamkeit vertrauensbildend wirken und so die Verlässlichkeit unserer Arbeit verkörpern und mit Leben erfüllen.

Autor: Pastor Frank Eibisch, Stv. Vorstand AGAPLESION gAG