Neues Behandlungsverfahren: Lebertumoren werden „verkocht“

16. Mai 2018

Für Patienten mit Leberkrebs gibt es jetzt neue Hoffnung. Denn unabhängig von der Frage, ob es sich um lebereigene Tumoren oder Metastasen in der Leber handelt, bieten die AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL (DKK) ein in Nordhessen einzigartiges Behandlungsverfahren.

„Als Alternative oder Ergänzung zur Operation wird bei uns die radiologische Therapie der Leber durchgeführt“, erklärt Prof. Dr. H. Bernd Reith, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie der DKK. Hierbei kommt es in erster Linie zur Zerstörung von Tumoren mit Hilfe von Radiowellen, medizinisch Radiofrequenzablation genannt. Dabei wird unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle eine Sonde in den Tumor eingeführt.

Durch diese Sonde werden Radiofrequenzwellen eingebracht, um das Tumorgewebe auf mehr als 100 Grad zu erhitzen. Tumorareale können mit dieser Methode sprichwörtlich „verkocht“ werden, so Reith. Neben der Radiofrequenz-Ablation (RFA) haben sich die Mikrowellenablation (MWA), die noch höhere Temperaturen von bis zu 160 Grad erzeugt, die irreversible Elektroporation (IRE), die laserinduzierte Thermotherapie und die Kryotherapie als lokalablative Verfahren etablieren können.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einbringung von Gefäßverschlusspartikeln in den Lebertumor, die sogenannte TACE-Methode. „Dabei wird durch die Schlagader ein Katheter eingeführt, um Tumorgefäße zu verschließen und so auszuhungern, da sie nicht mehr mit Blut versorgt werden“, erklärt Mohammed Al-Toki, Chefarzt der Radiologie der DKK und Experte für interventionelle Verfahren. Dies kann mit und ohne begleitende lokale Chemotherapie erfolgen. Bei der Chemoembolisation wird unter örtlicher Betäubung ein Chemotherapeutikum direkt in die tumorzuführenden Gefäße eingebracht. Diese Gefäße werden gleichzeitig mit dem Embolisat verschlossen.

„Man kann alle Methoden miteinander kombinieren um Tumorfreiheit zu erreichen“, erklärt Prof. Reith. Dazu kann ein individuelles Konzept erstellt werden, welches z.B. zunächst eine Vorbehandlung der Leber mit Veränderung der Blutversorgung umfasst und dann eine funktionserhaltende Operation erfolgen. Noch verbleibende Tumoren können dann in einer weiteren Sitzung etwa per Verödung durch Radiowellen behandelt werden, erklärt Chefarzt Al-Toki. Besonders interessant ist, dass so auch schlecht von außen zu treffenden Metastasen behandelt werden können. „Dabei wird per Video-Endoskop eine direkte visuelle Kontrolle der Verödung vorgenommen und zusätzlich die sichere Verödung ohne Schädigung von Nachbarorganen gewährleistet“, erklärt Prof. Reith.

Die Entscheidung über das optimale Vorgehen im Einzelfall benötigt eine ausgewiesene Expertise im Bereich der Leber- und Gallen-Chirurgie. Dementsprechend wird z.B. in der Fachgesellschafts-Leitlinie zur Behandlung des Dickdarmkarzinoms gefordert, dass die Entfernbarkeit von Metastasen durch einen in der Metastasen-Chirurgie erfahrenen Chirurgen beurteilt wird. „Leider wird in der Realität jedoch nur ein kleiner Teil der Patienten mit Lebermetastasen einem Leber- oder Gallenwegs-Chirurgen oder in einem interdisziplinären Tumorboard vorgestellt“, betont Prof. Reith. Ohne Einbindung eines Chirurgen in die Therapieentscheidung können vor allem ausgedehnte und/ oder in beiden Leberlappen vorkommende Lebermetastasen irrtümlich für nicht entfernbar gehalten werden. „Dem Patienten würde in solchem Fall eine kurative Therapieoption vorenthalten“, betont Prof. Reith.

„Bei den operativen Möglichkeiten steht die Entfernung aller Tumoren unter größtmöglicher Schonung des Lebergewebes im Vordergrund“, sagt Prof. Reith. „Alle Eingriffe werden bei uns mittels speziellem technischen Equipment zur größtmöglichen Kontrolle des Gewebes durchgeführt, dabei wird besonders die Gewebeversiegelung und Verklebung eingesetzt. “Durch moderne Operationstechniken und eine verbesserte Zusammenarbeit verschiedener Spezialisten sind die Ergebnisse der Behandlung so gut geworden, dass eine Heilung angestrebt werden kann. Die AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL verfügen über ein Team von Spezialisten mit großer Erfahrung in der Behandlung von Lebertumoren. Die interdisziplinäre Absprache ist dazu eine wichtige Voraussetzung. Hier sind Chirurg, Radiologe und Onkologe eng mit dem individuellen Vorgehen eingebunden.

Prof. Dr. H. Bernd Reith, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL

Mohammed Al-Toki, Chefarzt der Radiologie, AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL