Neues Verfahren zur Schlaganfallpropophylaxe bei Vorhofflimmmmern

01. April 2013

Neue Hoffnung für Patienten mit erhöhtem Risiko für Schlaganfälle. Als erste Klinik im mittelhessischen Raum hat das AGAPLESION EVANGELISCHE KRANKENHAUS MITTELHESSEN (EKM) im August 2013 das sogenannte Watchman-Verfahren eingeführt.

Chefarzt Dr. Wolfgang Waas und sein Team haben die neue Behandlungsmethode zur Vorbeugung eines Schlaganfalles bei Vorhofflimmern bereits bei mehreren Patienten erfolgreich angewandt. Das Team der Medizinischen Klinik II (Kardiologie und Angiologie) bietet Patienten somit eine Alternative zur Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten.

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind von Vorhofflimmern betroffen, einer Herzrhythmusstörung mit unregelmäßigem Herzschlag. Patienten mit Vorhofflimmern sind einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko ausgesetzt. Ursache hierfür ist meistens eine Gerinnselbildung im sogenannten Vorhofohr, eine kleine, zwischen zwei und vier Zentimeter messende Struktur in der linken Vorkammer des Herzens.

Die Blutgerinnsel können durch die Hauptschlagader in den Kopf wandern und dort einen Schlaganfall auslösen. Man geht davon aus, dass 90 Prozent der embolisch bedingten Schlaganfälle ihren Ursprung im linken Vorhofohr haben. Bisher bildet eine Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten die bevorzugte Behandlung zur Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern.

Neu zugelassene Wirkstoffe erweitern zwar das Spektrum der Substanzen, Langzeitdaten zur Wirksamkeit und Sicherheit liegen allerdings noch nicht vor. Durch den Einsatz solcher Medikamente kann das Risiko einer Embolie gesenkt werden, es besteht jedoch beispielsweise das Risiko schwerwiegender Blutungen.Für Patienten mit bereits erlittenen schweren Blutungen, bei schlechter Einnahmedisziplin oder hoher Sturzgefährdung scheidet eine Therapie mit solchen Vitamin-K-Antagonisten oder den neuen Antikoagulantien aus.

Es gibt nun eine Alternative zur medikamentösen Therapie: der dauerhafte Vorhofohrverschluss. Ein solches Verschlusssystem, das sogenannte Watchman-Device, ist seit wenigen Jahren verfügbar und wurde jetzt im EKM als minimalinvasive Methode etabliert. Es handelt sich um einen selbst entfaltenden Schirm aus Nickeltitan (siehe Bild), der über einen Katheter im linken Herzohr positioniert wird. Das Implantat wächst innerhalb der darauf folgenden Monate ein und wird vollständig von der Herzinnenhaut überzogen.

In den ersten Monaten nach dem Eingriff erhalten die Patienten eine medikamentöse Therapie. Die etwa einstündige Implantation erfolgt unter Sedierung und wird von einem Team aus Kardiologen und Echokardiographie-Spezialisten vorgenommen. Der Patient kann das Krankenhaus in der Regel ein bis zwei Tage nach dem Eingriff wieder verlassen. In den ersten Monaten nach dem Eingriff erhalten die Patienten eine medikamentöse Therapie.

„Wir sind mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden und überzeugt von der Watchman-Verschluss-Technologie“, erläutert Dr. Waas. Bisher ist das Watchman-Verfahren als einziges Verschluss-System in einer großen randomisierten Studie auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft worden.Von den Patienten, deren Vorhofohr verschlossen wurde, erlitten insgesamt weniger Patienten Schlaganfälle oder Embolien.

Jüngst veröffentlichte Vier-Jahres-Daten zeigen sogar eine signifikante Senkung der Anzahl von Todesfällen im Vergleich zur Standardbehandlung mit Antikoagulantien. Seit der Zulassung des Systems im Mai 2009 wurden deutschlandweit mehr als 1.200 Patienten mit diesem Implantat versorgt.

Dr. Wolfgang Waas, Chefarzt der Medizinischen Klinik II (links) und Oberarzt Dr. Ralf Wiedemann (rechts)