Paulus von Tarsus – Netzwerker der frühen Stunde

29. Januar 2016

Er lebte in der Geburtsstunde des Christentums. Er war so etwas wie ein Geburtshelfer. Er war ein Netzwerker.

Um 50 n. Chr.: Jesus war tot. Doch sein Geist war so lebendig wie nie zuvor. Die Jünger waren verstreut, die frühchristliche Gemeinde auf sich selbst gestellt. Und da war Paulus. In drei großen Missionsreisen gründete er christliche Gemeinden im östlichen Mittelmeerraum, eine nach der anderen.

Und während die Gemeinden ihr Leben entfalteten, taten sich zahlreiche Fragen des täglichen Zusammenlebens und des Glaubens auf. So fragten sie Paulus, der die zentrale Figur dieser Gründerjahre war. Paulus antwortete den Korinthern, den Galatern, den Philippern und anderen Gemeinden. Dabei entwickelte er eine frühe Theologie, die bis heute das Christentum prägt.

Paulus war vernetzt und stand im Zentrum dieses Netzwerks. Damals wie heute war die Voraussetzung zur Schaffung eines Netzwerks eine Kombination aus persönlichem Kontakt und distanzübergreifender Kommunikation. Der Brief, d. h. die Verschriftlichung, macht die Botschaft vom Verfasser unabhängig. Sie ermöglicht Vervielfältigung und die Verbreitung ins Netzwerk – auch ohne persönliche Präsenz. Die Briefe des Paulus enthalten dabei so grundlegende Gedanken, dass dreizehn von ihnen Eingang in die Bibel gefunden haben und damit zu den am weitesten verbreiteten Schriften der Menschheit gehören.

Persönliche Kontakte pflegen

Echte Überzeugungsarbeit und konkrete Ermutigung erfordern jedoch auch persönliche und menschliche Zuwendung. Paulus hat nicht nur geschrieben, sondern die Gemeinden auch besucht, und wenn er verhindert war, hat er einen seiner Mitarbeiter gesandt. Zum Netzwerken gehört eben immer auch der persönliche Kontakt, damals wie heute: Auch wenn wir ganz andere technische Möglichkeiten der Verbreitung von Texten und Gedanken haben, bleibt der persönliche Austausch unersetzlich. Ein funktionierendes Netzwerk bedient sich immer beider Elemente und schafft eine optimale Mischung aus persönlicher Präsenz und distanzüberwindender Kommunikation. Wie schon zu Zeiten des Paulus von Tarsus.

Autor: Helmut Rothfuß, Pastoraler Direktor, AGAPLESION BETHESDA KRANKENHAUS STUTTGART