Schon Babys können Leben retten: Nabelschnurblutspende

31. Mai 2014

In Nordhessen ist die Frauenklinik Dr. Koch die erste Geburtsklinik, die die Nabelschnurblutspende anbietet. Die Klinik ist einer von drei Standorten der AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL. Für Patienten, die am blutbildenden System erkrankt sind und auf eine Transplantation mit Stammzellen warten, kann eine Spende lebensrettend sein.

 

 

Dr. Wouter Simoens, Chefarzt der Geburtshilfe und Pränatalmedizin, ist überzeugt: „Mit der Nabelschnurblutspende können wir einen Beitrag leisten, um leukämiekranken Kindern und Erwachsenen zu helfen.“ Die Spende ist zwar noch relativ unbekannt, doch werdende Eltern erhalten in der Frauenklinik Dr. Koch meist gleich bei der Anmeldung Informationen darüber. Wer einwilligt, muss einen ausführlichen Fragebogen ausfüllen und eine Einverständniserklärung unterschreiben. „Das Angebot wird an unserer Klinik gut angenommen“, erklärt Simoens. Pro Jahr werden hier mehr als 1.900 Kinder entbunden. Damit ist die Klinik Spitzenreiter in Nordhessen und kann ihre Kompetenz weiter ausbauen. 

Ende Mai 2014 wurde die Frauenklinik Dr. Koch offiziell als Haus für die Zusammenarbeit mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zertifiziert. Die Vorbereitungen liefen bereits Monate vorher an. Denn Personal musste geschult, Behördengänge erledigt und eine staatliche Prüfung abgelegt werden. Die Schulungen werden regelmäßig wiederholt.

Nabelschnurblut ist deshalb so wertvoll, weil die Stammzellen, die darin enthalten sind, noch nicht völlig ausgereift sind. Bei einer Transplantation kann eine mögliche Abstoßungsreaktion geringer ausfallen als bei der Transplantation von Stammzellen, die zu einem späteren Zeitpunkt gewonnen werden. So kann man mit einer geringeren Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger transplantieren.

„Das Nabelschnurblut wird erst entnommen, wenn die Geburt beendet ist und das Kind bereits abgenabelt und versorgt im Arm der Mutter liegt“, betont Simoens. Die Nabelschnurvene wird punktiert und der Beutel mit dem Blut direkt an die DKMS Nabelschnurblutbank in Dresden geschickt. Dort werden die Stammzellen gewonnen und eingefroren. Die Daten der Stammzellen werden anonym an das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) gemeldet. Damit sind sie für Patientenanfragen weltweit abrufbar. Die Eltern werden informiert, ob die gespendeten Stammzellen verwendet werden konnten. Die Spende für die öffentliche Nabelschnurblutbank ist kostenlos.

 

Chefarzt Dr. Wouter Simoens (links) und Oberarzt Dr. Alexey Eykhenvald-Buravlev zeigen, wie Nabelschnurblut entnommen wird.