Qualität - ein Markenzeichen Gottes und des Menschen

03. Februar 2015

Die theologische Besinnung von Pastor Frank Eibisch behandelt das Thema Qualität. In der Bibel wird dafür der Begriff „Güte“ verwendet. Er hat eine weitreichende Bedeutung und ist bis heute aktuell, gerade für einen christlichen Gesundheitskonzern wie AGAPLESION.

Wenn wir von Qualitätsmanagement sprechen, denken wir wohl kaum an theologisch-geistliche Zusammenhänge. Prozesse in unseren Einrichtungen und deren normgerechte Dokumentation stehen im Vordergrund. Fragen nach Struktur- und Ergebnisqualität gilt es zu beantworten, die – nach Aussagen nicht nur der Kostenträger, sondern auch des Bundesgesundheitsministers – in Zukunft eine noch höhere Bedeutung für die Finanzierung unserer Arbeit gewinnen werden.

Qualitätsmanagementsysteme werden mehr und mehr zu einem wichtigen Steuerungsinstrument und verursachen deshalb auch zunehmenden Aufwand, etwa wenn es um die Erstellung der alljährlichen Qualitätsberichte geht, die eben mehr sein soll als eine Pflichtübung. Da wundert es nicht, wenn manch einer darunter gelegentlich auch zu stöhnen beginnt und sich – insgeheim oder laut vernehmlich – fragt: „Was soll das Ganze?“ Vielleicht hilft es, wenn wir uns der Beantwortung dieser Frage einmal von ganz anderer Seite nähern, nämlich der biblisch-theologischen und damit der geistlichen, die ja für uns bei AGAPLESION maßgebliche Bedeutung hat.

Wirft man einen Blick in die Bibel, wird man dort freilich schwerlich den Begriff „Qualität“ finden. Einen anderen allerdings, der eine wichtige Erklärung des Wortes „Qualität“ liefert, treffen wir recht häufig an, nämlich den der „Güte“. Noch vor wenigen Jahren trug das, was heute „Qualitätszertifikat“ heißt, mitunter die Bezeichnung „Gütesiegel“. Das lässt die enge Verwandtschaft der beiden Begriffe erkennen. Beispielsweise in den Psalmen, aber auch in vielen anderen biblischen Zusammenhängen, wird Güte als eine wesentliche Eigenschaft Gottes benannt.

Seltener, aber doch immerhin auch in markanter Weise, leitet sich daraus dann auch ein wünschenswertes Charakteristikum menschlichen Wesens und Verhaltens ab. Das hebräische Wort, das in der Lutherübersetzung mit „Güte“ wiedergegeben wird (für die besonders Interessierten: Im Hebräischen heißt es „chäsäd“, wobei die erste Silbe betont ist), hat eine weitreichende Bedeutung. Es bezeichnet nämlich die Qualität einer Beziehung, charakterisiert diese als verlässlich, treu, solidarisch und beschreibt dabei immer eine Haltung der Zuwendung.

Gottes „Güte“ in diesem Sinne bedeutet dann also, dass auf seine Entscheidung, für die Menschen da zu sein, Verlass ist. Vergleichbares gilt auch, wo Menschen als „gütig“ bezeichnet werden: Ihre Zuwendung zu ihren Mitmenschen hat Bestand. Sie tun mehr als das Notwendige, mehr als „Dienst nach Vorschrift“. Sie leben das, was ihnen zu tun aufgetragen ist, in einer verlässlich mitmenschlichen Weise. Sie lassen erkennbar werden, dass es ihnen ein Grundanliegen ist, für ihre Mitmenschen da zu sein. Und sie geben zu verstehen, dass ihre Fähigkeit und ihr Wille dazu in der Zuwendung Gottes begründet liegen.

Wie also wäre es, wenn wir das Nachdenken über die Qualität unserer Arbeit als Chance verstünden, unsere Zuwendung zu den uns anvertrauten Menschen auf den Prüfstand zu stellen – hinsichtlich ihrer fachlichen, organisatorischen und menschlichen Güte? Und wenn wir demzufolge Qualitätsmanagement als ein wertvolles Instrument betrachteten, das uns genau dabei unterstützen kann? Zugegeben: Das macht die Arbeit damit nicht weniger aufwändig. Aber es kann uns helfen, verlässliche Zuwendung zum Mitmenschen in einer Qualität und Form zu gestalten, dass damit jenen gedient ist, die unserer Aufmerksamkeit und Unterstützung bedürfen.