Wo Luft zum Atmen ist: Lungenunterstützungsverfahren

03. Februar 2014

Das AGAPLESION BETHESDA KRANKENHAUS WUPPERTAL wendet seit Januar 2014 das lebensrettende Lungenunterstützungsverfahren an.

Damit wird Patienten geholfen, die nicht mehr eigenständig und in ausreichendem Maße Sauerstoff aufnehmen können. Wird ein Patient mit einer schweren Lungenentzündung oder mit einem Lungenversagen ins Krankenhaus eingeliefert, ist sein Leben in akuter Gefahr. Denn der geschwächte Patient ist nicht mehr in der Lage, eigenständig und in ausreichendem Maße Sauerstoff aufzunehmen.

„Vor rund zehn Jahren hätte eine solch schwere Erkrankung den sicheren Tod eines Patienten bedeutet. Heute kann mit dem modernen Lungenunterstützungsverfahren die Atmung außerhalb des Körpers verlegt und Sauerstoff und Kohlenstoffdioxidmittels einer künstlichen Lunge ausgetauscht werden“, erklärt Dr. med. Christian Sparenberg, Leiter der Sektion Intensivmedizin am AGAPLESION BETHESDAKRANKENHAUS WUPPERTAL.

Die noch verbleibende Atemarbeit wird dabei auf ein Minimum herabgesetzt, damit die Lunge in dem reduzierten Zustand ausheilen kann. Mussten zuvor die schwererkrankten Patienten aufwendig in spezielle Zentren verlegt werden, führt nun seit Anfang Januar das Krankenhaus das lebensrettende Lungenunterstützungsverfahren selbst durch.

Bei diesem invasiven Lungenunterstützungsverfahren werden daumendicke Kanülen in die Leistengefäße eingebracht. Das gesamte Blutvolumen durchläuft dann ständig einen sogenannten Membranventilator, ein Geflecht ausmikroskopisch kleinen Röhrchen, indem nun, statt in der Lunge, der Atemgasaustausch stattfindet. Das Verfahren ist damit grundsätzlich der Dialyse ähnlich, nur dass hierbei Kohlenstoffdioxidaus dem Blut entfernt und Sauerstoff in geringerem Maße zugeführt wird.

Nach wenigen Minuten kann die Eigenatmung des Patienten bereits deutlich reduziert werden. So reichen oft nur vier Atemzüge pro Minute mit jeweils 200 Millilitern Atemluftaus. Zum Vergleich: Normalerweise atmet ein Mensch zirka 13 Atemzüge pro Minute mit jeweils etwa 500 Millilitern. „Zu Beginn des Verfahrens erfolgen engmaschige Blutgaskontrollen, im Abstand von zirka fünf Minuten. Wenn der Patient stabil und optimal eingestellt ist, wird der Kontrollzyklus auf drei Stunden verlängert“, erklärt Maike Krüger, Intensivschwester am AGAPLESION BETHESDA KRANKENHAUS WUPPERTAL.

Positive Aspekte für den Patienten „Wir hatten alle zunächst Respekt vor dem Einsatz“, erläutert Reinhard Neeb, Leiter der Intensivpflege. „Schließlich findet bei diesem Verfahren ein wesentlicher Teil der Atemfunktion außerhalb des Körpers statt. Das erfordert ein grundsätzliches Umdenken im Bereich der Atemunterstützung. Als wir den positiven Effekt für den Patienten gesehen haben, ist das anfängliche Unbehagen schnell vergangen.

“Erkranken junge Menschen an der Lunge, können sie mithilfe dieses Verfahrens oft schon nach kurzer Zeit wieder aus der Klinik entlassen werden. Bei allgemeinguter Gesundheit können die Patienten nach Ausheilung der Verletzung oder Entzündung die vollständige Lungenfunktion und damit ihre Leistungsfähigkeit wiedererlangen: Joggen, Skifahren oder Singen sind auch nach einer schweren Lungenerkrankung deshalb oft wieder möglich.

„Aber es bleibt dabei“, resümiert Dr. Sparenberg, „die Anwendung ist ein schwerer Eingriff, der als Therapiemöglichkeit nur bei Patienten genutzt werden sollte, die lebensgefährlich erkrankt sind.“ Das AGAPLESION BETHESDA KRANKENHAUS WUPPERTAL verbessert mit diesem modernen Verfahren die Versorgung schwerstkranker Patienten und schließt damit in der Intensivmedizin auf das Niveau von Maximalversorgern und Universitätsklinika auf.

V.l.: Reinhard Neeb, Leiter der Intensivpflege, und Dr. Christian Sparenberg, Leiter der Sektion Intensivmedizin