Demenz im Krankenhaus - Vertrautheit herstellen

03. September 2014

Auf dem Tisch liegen alte Schallplatten, eine uralte Wärmflasche und ein Stofftier. Mehr braucht Ergotherapeut Clemens Hepting von der AGAPLESION BETHESDA KLINIK ULM nicht, um in ein intensives Gespräch zu kommen.

Viel wird über die „gute alte Zeit“ geredet. Je länger die Unterhaltung dauert, umso engagierter sind die Patienten. Werktags kommen zwischen 9 und 11:30 Uhr vier bis sieben Patienten in die Gruppe. Es sind Patienten, denen es aufgrund einer mittel- bis hochgradigen Demenz schwer fällt, sich in den Stationsalltag zu integrieren. Manche von ihnen sind sehr unruhig, haben einen starken Bewegungsdrang oder rufen laut. Solche Patienten sind oft niedergeschlagen und bedrückt vor allem dann, wenn sie die eigenen Versagensängste spüren.

Häufig ziehen sie sich immer mehr in ihre innere Welt zurück. Hepting versucht, einen Zugang zu ihnen zu finden. Meistens gelingt ihm das sehr schnell. Beim Erzählen über die alten Zeiten, an einem Ort, der eher wie ein Wohnzimmer aussieht, entsteht eine besondere Vertrautheit. In dieser Sicherheit wirken die Patienten zufrieden, entspannt, innerlich gelöst und ruhig. Dadurch gelingen die Integration auf der Station und letztlich auch die anderen therapeutischen Maßnahmen besser.

Seit 1995 ist Clemens Hepting mit dieser Aufgabe betraut, für die er etliche spezielle Weiterbildungen absolviert hat, aber vor allem hat er inzwischen viel Erfahrung gesammelt. „Man braucht viel Geduld und Nähe zu den Menschen“, sagt er und freut sich, wenn in „seinem Wohnzimmer“ eine gute Stimmung entsteht. „Es ist schön, wenn man merkt, dass die Hilfe ankommt und es den Patienten gut tut.“