Spiritualität & Digitalisierung auf Kongress diskutieren

23. November 2017

Frankfurt . AGAPLESION hat sich in 2017 intensiv mit dem Jahresthema Spiritualität befasst. Höhepunkt war der zweitägige Kongress Spiritualität – Gesundheit zwischen Digitalisierung und innerer Resonanz im September in der Konzernzentrale.

Herr Dr. Böckel, wie passen die Begriffe Spiritualität und Digitalisierung zusammen?
Dr. Holger Böckel:
AGAPLESION ist ein christlicher Gesundheitskonzern und lebt die tätige Nächstenliebe. An den Bedürfnissen unserer Patienten und Bewohner richten wir das Behandlungs- und Versorgungsangebot der Einrichtungen aus.

Auf der anderen Seite steht die Digitalisierung, der Megatrend, der auch im Gesundheitswesen einen Epochenwandel markiert. Schon heute  nutzen wir Medizintechnik, Computer und komplexe IT-Systeme, die Unmengen an Daten generieren und verarbeiten. Die Möglichkeiten zur Gewinnung und Nutzung von Daten werden in naher Zukunft zunehmen. Die Digitalisierung fordert Antworten auf neue Fragestellungen, gerade von christlichen Einrichtungen.  

An welche Fragen denken Sie?
Böckel:
Digitalisierung ist eng gekoppelt mit ethischen und spirituellen Aspekten. Wie verwenden wir die generierten Daten? Kommt es bei der Auswertung zu ethischen Bedenken? Wie ist unsere heutige Vorstellung von Heilung, wie hat sie sich gewandelt? Wie betten wir diese
Vorstellung in unser Menschen- und Weltbild ein? Wie definieren wir die
Rollen von Ärzten und Pflegenden? 

Welche Bedeutung haben da christliche Gesundheits-
einrichtungen?
Böckel:
Tätige Nächstenliebe ist insbesondere in einer technisierten und digitalisierten Welt wichtig: Sie macht das Leben erst menschlich und lebenswert. Hier können wir als moderner christlicher Gesundheitskonzern ansetzen. Heil und Heilung gehören eng zusammen, auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert ganzheitliches Wohlbefinden mit den Adjektiven körperlich, psychisch, sozial und auch spirituell.

Heilung erfolgt also nicht allein durch digitale Daten und ist nicht allein wissensbasiert. Insofern müssen sich gerade christliche Gesundheitseinrichtungen mit der Digitalisierung beschäftigen und die Rückbesinnung auf ihre institutionelle Identität, ihren Kern, vollziehen.

Ist die Digitalisierung Fluch oder Segen?
Böckel: Digitalisierung begreifen wir als „Plus“. Ohnehin ist sie ein Muss – wer sich ihr widersetzt, wird abgehängt und muss sich von der Mitgestaltung der Welt verabschieden. Denn der Megatrend bietet unverzichtbare Innovationsimpulse für Medizin, Pflege, Behandlungserfolg und Patientensicherheit. Doch die Frage ist, wie wir die Chancen nutzen, und wie wir auf negative Auswirkungen reagieren.

Wie war der Kongress aufgebaut?
Böckel:
Am 1. Kongresstag tauschten sich interne und externe Fachexperten aus, am 2. Tag gab es Programm ausschließlich für interne Mitarbeitende. Insgesamt nahmen 90 Gäste an der Veranstaltung teil, darunter auch Gesellschafter, Geschäftsführer, Seelsorger und Mitarbeitende der AGAPLESION Einrichtungen.

Referate, Podiumsdiskussionen, Reflexionen, Workshops und die Präsentation der Ergebnisse führten zum lebendigen Austausch. Impulsreferate und Workshops waren hochkarätig besetzt. Sowohl hier als auch in den Arbeitsgruppen fanden angeregte Diskussionen und eine intensive Zusammenarbeit statt. Referenten und weitere Experten gingen in den vertiefenden Workshops auf die Schwerpunkte Unterbrechungskultur, Reflexionskultur und Gebetskultur ein. Beiträge aus der Praxis mischten sich mit theoretischen Ansätzen.

Kann man die Inhalte nachlesen?
Böckel:
Ja. Wir werden die Ergebnisse zusammenfassen und eine neue Ausgabe unserer Reihe AGAPLESION WISSEN herausbringen. Wir finden es wichtig, die Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, damit wir einen konstruktiven Beitrag leisten zum Spannungsfeld zwischen Spiritualität und
Digitalisierung.

Herr Dr. Böckel, vielen Dank für das Gespräch.

 

PD Pfarrer Dr. Holger Böckel moderiert den Kongress.