Unsere Aktionäre: Rotenburger Diakonissen-Mutterhaus

26. August 2016

Einer der AGAPLESION Aktionäre ist das Ev.-lutherische Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg. Hier hat das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG seine Wurzeln.

Als im Jahr 1856 die Diakonisse Elise Averdieck einen unversorgten Kranken in ihrer Hamburger Wohnung aufnimmt, um ihn zu pflegen, ahnte niemand, welche Folgen dieses Handeln aus Nächstenliebe nehmen würde: Aus diesem Anfang entwickelt sich bald eine kleine Krankenstation. Schon drei Jahre später bekommt Averdieck einen hohen Geldbetrag zum Bau eines neuen Gebäudes für ihre Krankenstation geschenkt. Es wird 1860 als Diakonissen-Mutterhaus in Hamburg eingeweiht. Elise Averdieck nennt es Bethesda.

Fast 40 Jahre später gab es zwischen dem Vorstand und der Nachfolgerin von Elise Averdieck – Oberin Helene Hartmeyer – zu Fragen der diakonischen Arbeit einen handfesten Konflikt: Der Vorstand drängte darauf, finanziell bessergestellten Patien-ten bei der Aufnahme und Pflege den Vorzug vor den Armen zu geben. Dies widersprach der Überzeugung der Diakonissen. Deshalb machten sich 62 Bethesda-Schwestern mit ihrer Oberin 1905 auf den Weg nach Rotenburg (Wümme) – nicht wissend, was sie dort erwartet und zunächst, um in den Rotenburger Werken bei der Betreuung von Menschen mit Behinderungen mitzuarbeiten. Hier wurden qualifizierte Mitarbeiterinnen gesucht.

Ankunft in Rotenburg
In den folgenden Jahren entstehen neben dem Tagewerk der Schwestern ein neues Mutterhaus, eine Kirche, ein Krankenhaus und eine Krankenpflegeschule, die bis heute bestehen und weiter gewachsen sind. Die Diakonissen waren in vielen Einrichtungen tätig: in den Rotenburger Werken, Kindergärten, im Krankenhaus, vor allem aber in der Gemeindepflege. Sie alle arbeiteten hochprofessionell: als (Kinder-)Krankenschwester, Erzieherin oder Ergotherapeutin. Lebten früher bis zu 150 Diakonissen im Mutterhaus, sind es heute noch 18. Alle sind zwar im Feierabend (Ruhestand), nehmen aber – falls möglich – aktiv am Geschehen teil. Regelmäßiges Vorlesen für die Bewohner des Bereiches Pflegen & Wohnen gehört dazu, ebenso leichte Gartenpflege oder Recherchen mit dem Laptop auf der Höhe der Zeit.

Das Krankenhaus ist in der Obhut des Mutterhauses kontinuierlich gewachsen. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete die Zweiganstalt des Krankenhauses mit einer Lungenheilstätte, einem Altenpflegeheim und der einzigen Entbindungsstation Niedersachsens für Mütter, die an Tuberkulose erkrankt sind. Heute ist das AGAPLESION DIAKONIEKLINIKUM ROTENBURG das größte konfessionelle Krankenhaus in Niedersachsen mit moderner Hochleistungsmedizin und Pflege. Die Lage in der ländlichen Region und die diakonische Tradition machen das Klinikum zu etwas ganz Besonderem. Auch im Bewusstsein der Mitarbeitenden sind die regionale Verbundenheit und die diakonische Tradition tief verwurzelt. Ganze Generationen von Rotenburger Familien arbeiteten oder arbeiten hier.

Ausrichtung für die Zukunft
Der Ev.-lutherische Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg (Wümme) e. V. hat 2012 einen neuen Partner für den Betrieb des Krankenhauses gesucht und in der AGAPLESION gAG gefunden. Seitdem hat er sich einer Neuausrichtung zugewandt. Das Kuratorium (Leitung: Landessuperintendent Dr. Hans-Christian Brandy) sieht die Aufgaben der Zukunft u. a. im Ausbau des Bildungsstandortes Rotenburg mit dem Schulzentrum und weiteren Bildungsangeboten. Zusammen mit den Rotenburger Werken wird die Quartiersentwicklung in Angriff genommen. Ein gutes Beispiel ist die Kindertagesstätte Lindenburg.

Im vergangenen Herbst startete das Kuratorium ein Pilotprojekt: Mit der Kommune und der Diakonie Niedersachsen organisierte das Mutterhaus ein Projekt zur Unterbringung und Integration von Flüchtlingen. Auf dem Gelände der ehemaligen Lungenklinik entstanden Unterkünfte für insgesamt 150 Menschen. Mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher und unter der Regie engagierter Mitarbeiter ist dort ein lebendiges Miteinander entstanden. Ein wichtiges Anliegen des Kuratoriums, des Vorstands und der Oberin des Mutterhauses, Sabine Sievers, bleibt die Unterstützung des Klinikums: Richtschnur ist die Förderung des diakonischen Profils.

Liebevoll und zugewandt − eine Diakonisse als Kinderkrankenschwester.