Was die Wohn- und Pflegeeinrichtungen verbindet

05. Dezember 2016

Die Wohn- und Pflegeeinrichtungen wissen, wie wichtig eine gute Betreuung am Lebensende ist. Sie alle bieten Konzepte an, um ihre Bewohner auch auf dem letzten Weg zu begleiten.

Berlin. Der Ansatz von Palliative Care galt bisher nur für die Versorgung von Tumorpatienten auf Palliativstationen oder in Hospizen. Jedoch hält er vermehrt Einzug in die Versorgung von alten Menschen in Pflegeheimen, die dort ihren Lebensabend meist multimorbid, hochbetagt und oft dement verbringen.

„Somit stellt die Begleitung Sterbender eine wesentliche Aufgabe von Pflegenden in der stationären Altenpflege dar“, sagt Marina Koschenz, Pflegedienstleitung im AGAPLESION BETHANIEN HAVELGARTEN. Deswegen haben in den fünf AGAPLESION Wohn- und Pflegeeinrichtungen Multiplikatoren eine 160-stündige Ausbildung durchlaufen und Fachwissen erworben.

„Jeder Wohnbereich einer Einrichtung verfügt außerdem über Palliativbeauftragte, die sich regelmäßig intern zur Palliative-AG treffen“, ergänzt Koschenz. Die Teilnehmer haben eine 40-stündige Fortbildung im Bereich palliative Praxis absolviert. Koschenz: „Unsere Einrichtungen als einen Ort zu begreifen, in dem aktives Leben und Sterben in Würde nebeneinander und ineinander übergehend stattfindet, stellt eine große Herausforderung für Management und Pflegende dar.“

Die Handlungssicherheit der Mitarbeitenden und ihr professioneller Umgang mit dem Thema seien gestiegen. „Die Berücksichtigung der Wünsche der Bewohner am Lebensende und die Einbindung der Angehörigen in unsere Fallbesprechungen verlaufen intensiver und gezielter“, sagt die Pflegedienstleiterin.

Frankfurt. Palliativ Care ist ebenfalls ein zentrales Projekt für Hannelore Rexroth, Geschäftsführerin der AGAPLESION MARKUS DIAKONIE. „Nachdem das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz- und Palliativversorgung am 8. Dezember 2015 in Kraft getreten ist, haben wir für dieses und nächstes Jahr Fördermittel der Anna Wenz Bethanien-Stiftung bewilligt bekommen.“

Beauftragte für Palliative Care sollen an jedem der drei Standorte etabliert werden, innerbetriebliche Fortbildungen sollen Mitarbeitende für die besondere Begleitung der Bewohner sensibilisieren. Ebenso werden Kooperationen geknüpft oder intensiviert mit ambulanten Palliative-Care-Teams, SAPV-Teams (spezialisierte ambulante Palliativversorgung), ehrenamtlichen Hospiz-Helfern sowie der Palliative-Care-Station und dem Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin am AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS. Auch die Unterstützung der Angehörigen sowie der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden gehört zum Konzept.

Lampertheim. Henning Krey leitet das AGAPLESION DIETRICH BONHOEFFER HAUS. Er überlegt, einen Wohnbereich zur separaten Palliativstation umzubauen. Einen geschützten und geschlossenen geron-topsychiatrischen Bereich gibt es schon, er soll erweitert werden. „Früher verbrachten die Senioren ihren Lebensabend in Wohn- und Pflegeeinrichtungen und blieben eine längere Zeit. Heutzutage kommen viele Menschen erst sehr spät zu uns. Sie sind oftmals dement, multimorbid und ihre Pflegebedürftigkeit ist hoch“, erklärt Krey.

Die Bedeutung einer guten Sterbebegleitung hat zugenommen. Pflegedienstleiterin Waltraud Feigl hat das Angebot vor ein paar Jahren mit auf den Weg gebracht: „Wir kooperieren mit Ärzten, Palliativ- und Hospiznetzwerken, SAPV-Teams und einem stationären Hospiz aus der Region. Außerdem lassen wir Mitarbeitende im Bereich Palliative Care ausbilden.“ Nach Möglichkeit wird auf die AGAPLESION AKADEMIE HEIDELBERG zurückgegriffen. Die externen Kollegen − Ehrenamtliche oder Fachpersonal − nehmen an Fallbesprechungen teil und sind fest eingebunden.