Was ist eine geriatrische Reha und für wen ist sie geeignet?

Welche Ziele hat die geriatrische Reha?

Die geriatrische Reha hat einen ganzheitlichen Ansatz: Es geht um die Wiederherstellung und den Erhalt der eigenen Selbstständigkeit, ein Element, das erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität im Alter hat. Diese wiedererlangte Autonomie ermöglicht eine aktive Teilhabe am Sozialleben und verhindert frühzeitige Pflegebedürftigkeit.

An wen richtet sich das Behandlungsangebot einer geriatrischen Rehabilitation?

Die geriatrische Reha richtet sich an (hoch-)betagte Menschen ab 70 Jahren deren Selbstständigkeit – meist nach der Behandlung einer akuten Erkrankung im Krankenhaus – eingeschränkt oder gefährdet ist. Ein Großteil der Patienten ist multimorbide, das heißt, sie leiden an mehreren Krankheiten gleichzeitig.

Denn bei einem 80-jährigen Patienten, der bereits chronische Erkrankungen hat, reicht oftmals ein vergleichsweise kleines Ereignis, um vollends aus dem Gleichgewicht zu geraten. Häufig sind es Stürze und die daraus resultierenden Verletzungen, die zur Aufnahme in die Reha führen. Ursache für die stark erhöhte Sturzgefahr im Alter sind die Gangunsicherheit und das Kraftdefizit.

In der geriatrischen Reha wird dann daran gearbeitet, den Patienten wieder zu mobilisieren und weitere Stürze zu vermeiden. Eine sichere Gehfähigkeit ist die Voraussetzung für ein unabhängiges, selbstständiges Leben, das sich die meisten älteren Menschen wünschen.

Wie unterscheidet sich die geriatrische Reha von anderen Rehas und wann ist eine geriatrische Reha die richtige Wahl?

Die geriatrische Rehabilitation behandelt multimorbide, hochbetagte Patienten, die neben einem akuten, zur Rehabilitation führenden Problem, unter einer Vielzahl, zumeist chronischer Erkrankungen leiden. Das Behandlungsspektrum ist indikationsübergreifend und reicht von Frakturen, also Knochenbrüchen, über chronische Krankheiten wie Arthrose bis hin zu neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson oder Schlaganfall. Viele hochbetagte Patienten benötigen Rehabilitation in der Erholungsphase nach großen operativen Eingriffen oder schweren Erkrankungen. Im Vordergrund steht immer der ganzheitliche Ansatz mit dem Ziel, die Autonomie des Patienten möglichst dauerhaft zu erhalten und zu stärken oder wieder aufzubauen.

Wie lange dauert eine geriatrische Reha?

Die Dauer einer stationären geriatrischen Rehabilitation beträgt in der Regel drei Wochen. In der ambulanten geriatrischen Rehabilitation kommen die Patienten zwei bis drei Mal pro Woche zur Behandlung. Hier hat die Erfahrung gezeigt, dass der tägliche Transport für viele der hochbetagten Patienten zu anstrengend ist, deshalb erstreckt sich eine ambulante Rehabilitationsmaßnahme über sechs bis acht Wochen. Dies bietet für den Patienten die Möglichkeit, das Erlernte Zuhause sofort umzusetzen und das Therapieangebot sehr individuell an seine Bedürfnisse und Fortschritte anzupassen. In der ambulanten Rehabilitation beginnen wir morgens um 9 Uhr mit den Therapieeinheiten und nach einer Pause mit gemeinsamem Mittagessen geht es bis 14:30 Uhr weiter.

Wie wird der Patient während einer geriatrischen Reha behandelt?

Entscheidend für eine erfolgreiche Rehabilitationsbehandlung ist es, gemeinsam mit dem Patienten ein Behandlungsziel festzulegen. Im nächsten Schritt ermitteln wir die individuelle Leistungsfähigkeit, aber auch die Einschränkungen des Patienten. Darauf basierend erstellen wir einen maßgeschneiderten, individuellen Behandlungsplan. Regelmäßig werden im Zuge der Behandlung eintretende Fortschritte im Team und mit dem Patienten besprochen und der Therapieplan dem Verlauf angepasst. 

Für die Behandlung eines multimorbiden Patienten ist fachübergreifendes Wissen erforderlich: Neben den Ärzten gehören deshalb Therapeuten, Pflegekräfte, Mitarbeitende des Kliniksozialdienstes, Psychologen, die Seelsorge sowie Ernährungsberater zum Behandlungsteam.

Das Therapiespektrum umfasst: Aktivierende therapeutische Pflege, Physiotherapie mit physikalischer Therapie und Gerätetraining, Ergotherapie mit Training in den Aktivitäten des täglichen Lebens und einer Koch- und Backgruppe sowie Hirnleistungstraining. Logopädie mit Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen sowie Stimm- und Sprechtherapie. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der Kontinenzberatung, psychologischen Beratung, Ernährungs- und Sozialberatung (z. B. Hilfe bei Anträgen) sowie erforderliche Hilfsmittelberatung und -erprobung.

Welche Rolle spielen die Angehörigen bei der geriatrischen Reha?

Uns ist es sehr wichtig, die Angehörigen möglichst frühzeitig in den Behandlungsprozess miteinzubinden. Häufig wird die Pflege der Patienten nach der stationären Behandlung vollständig oder teilweise durch Angehörige übernommen. Daher ist es wichtig Behandlungsziele zu kommunizieren, um eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten und Einschränkungen in der poststationären Phase zu ermöglichen. Dies ist sinnvoll, weil hochbetagte Patienten auch nach einer Reha häufig mehr Unterstützung benötigen als vor der akuten Erkrankung, oder wenn der Betroffene vielleicht auch gar nicht mehr alleine Zuhause leben kann.

Als eines unserer Angebote schulen wir Angehörige darin, wie sie den Patienten unterstützen können. Sie erhalten unter anderem praktische Anleitungen zum rückenschonenden Transfer oder wie sie zum Beispiel beim Einsteigen ins Auto helfen können. Wir informieren über notwendige Hilfsmittel und beraten über anstehende Anpassungen des häuslichen Umfeldes wie beispielsweise Umbaumaßnahmen.

Wer stellt den Antrag auf eine geriatrische Reha?

Bei Patienten, die wir aus anderen Kliniken übernehmen, stellt der dortige Sozialdienst zusammen mit den betreuenden Ärzten den Antrag. Andere Anträge werden durch Hausärzte initiiert. Sie kennen ihre Patienten häufig über einen längeren Zeitraum und können deren Gesundheitszustand gut einschätzen und Veränderungen und Rehabilitationsbedarf so frühzeitig erkennen.

 

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