Wichtige Fragen immer wieder gemeinsam klären

09. Juli 2015

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Darum setzen auch die AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL bei Operationen Checklisten ein. Punkt für Punkt werden sicherheitsrelevante und standardisierte Aspekte abgehakt.

Hubert Meier (71, Name geändert) liegt im Bett und wartet auf seine stationäre Operation. Der Meniskus ist gerissen. Eher eine Kleinigkeit – wenn auch schmerzhaft – im Vergleich zu seiner Bypass-Operation vor vier Jahren. Unaufgeregt plaudert er mit Anästhesieschwester Susanne Becker. Er merkt gar nicht, wie routiniert sie die AGAPLESION Risk List durchgeht. Das ist eine Checkliste, die vor, während und nach einer Operation wichtige Punkte zur Patientensicherheit abklärt. Jeder Punkt wird handschriftlich abgehakt und unterschrieben. Manche Aspekte werden mehrfach abgefragt, weil so viele Menschen an der Behandlung beteiligt sind.

Wie heißen Sie? Welches Bein wird operiert? Wann haben Sie zuletzt gegessen und getrunken? Haben Sie Allergien?“: Das sind einige der Fragen, die die Anästhesieschwester stellt. Becker prüft ebenso, ob die Unterlagen vollständig sind, ob etwa eine unterschriebene Einverständniserklärung für Narkose und Operation vorliegt.

Jetzt kommt Dr. Gerd Rauch. Der Operateur stellt sich kurz vor und lässt sich das mit einem blauen Kreuz markierte Operationsgebiet auf dem Bein zeigen. Rauch hat eine Gemeinschaftspraxis in Kassel, doch immer dienstags operiert er in den AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL. Er steht seit 7:15 Uhr im OP. Bis 15:30 Uhr sind 13 Eingriffe an Knien und Schultern geplant. Der Orthopäde und Unfallchirurg hat 30 Jahre Berufserfahrung. Er ist Mannschaftsarzt der 1. Bundesliga-Handballmannschaft MT-Melsungen sowie Berufsverbandsvorsitzender für Orthopädie und Unfallchirurgie in Hessen. „Eine Operation ist immer Teamwork“, sagt er. Er weiß, dass er sich auf sein Team verlassen kann.

„Jetzt geht‘s los“, sagt Becker. Sie rollt Hubert Meier in den Raum, in dem die Narkose eingeleitet wird. Er schaut der Pflegerin und dem Anästhesisten Dr. Uwe Haupt bei den Vorbereitungen zu, lässt sich die Handgriffe erklären. Jetzt wird nochmal geprüft, ob die Narkose- und Überwachungsgeräte funktionieren. Dann schläft der 71-Jährige ein.

Von der Reinigungskraft bis zum Arzt:
Jeder im Team trägt viel Verantwortung

Die OP-Schwestern Silke Zappek und Evelyn Schweifer erwarten ihn schon. Sie bringen sein Bein in Position, legen eine Manschette an, damit es während der OP nicht blutet, desinfizieren das OP-Gebiet und decken es steril ab. Unmittelbar vor dem ersten Schnitt hält das Team inne. Das nennt man „Team Time Out“. Erneut werden sicherheitsrelevante Fragen geklärt. Kontrolliert wird auch, ob die Instrumente steril sind, ob die Ausrüstung vollständig und einsatzbereit ist. Erst dann beginnt die Operation.

Hinterher muss geprüft werden, ob alle Instrumente und Materialen wieder vollständig sind. Außerdem wird eine perioperative Schmerztherapie festgelegt. Das sind Anweisungen zur Medikation und zur weiteren Behandlung. Die Risk List wird unterschrieben, archiviert und bei regelmäßigen Stichproben überprüft.

Die Checkliste ist aber nur ein Baustein, der für ein größtmögliches Maß an Sicherheit sorgen soll. Normierte Spritzenaufkleber, Patientenidentifikationsarmbänder, regelmäßige Kontrollen der Geräte, Screening in Bezug auf multiresistente Erreger wie MRSA bei Risikopatienten, standardisierte Medikamente im Anästhesiewagen im OP, Schulungen zur Bedeutung der Händedesinfektion: All das und noch viel mehr gehört zum Standard. Der Ärztliche Direktor und Anästhesist Dr. Andreas Fiehn (MBA) betont, dass jeder einzelne am Behandlungsprozess Beteiligte viel Verantwortung trägt. „Wenn etwa der OP nicht richtig geputzt wird und die Instrumente nicht steril sind, nützt der beste Arzt nichts.“

Ein eingespieltes Team (v. l.): Dr. Gerd Rauch (Operateur), Silke Zappek (OP-Schwester), Gönül Özsatan (Reinigungskraft), Evelyn Schweifer (OP-Schwester), Dr. Andreas Fiehn, MBA (Anästhesist).