Druck auf die Nerven: Thoracic-Outlet-Syndrom

03. April 2014

An den AGAPLESION DIAKONIE KLINIKEN KASSEL ist Prof. Dr. Thomas Bürger Spezialist im Bereich der Gefäßmedizin. Er diagnostiziert und behandelt ein seltenes Krankheitsbild, das Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS).

Patienten aus dem In- und Ausland kommen zu ihm. Betroffene haben oft einen langen Leidensweg hinter sich. Im Durchschnitt waren sie innerhalb von bis zu fünf Jahren bei sechs Ärzten, bis die Diagnose steht: Thoracic-Outlet-Syndrom (TOS). „Das Beschwerdebild ist vielfältig“, erklärt Prof. Dr. Thomas Bürger, Chefarzt der Gefäßchirurgischen Abteilung der AGAPLESION DIAKONIEKLINIKEN KASSEL. „Es gibt keine Untersuchung, die direkt auf TOS hinweist.“ Verschiedene Tests sind nötig. Bei TOS übt eine Engstelle im oberen Brustkorbbereich oder im Bereich der Schulter Druck auf die Nerven und Blutgefäße aus, die in den Arm ziehen. „Die Betroffenen haben starke Schmerzen, die bis in Schulter, Arm und Hand ausstrahlen“, sagt Bürger, der schon fünf Mal vom Magazin Focus zu einem der besten Ärzte in Deutschland ernannt wurde. Die Engstelle kann veranlagt sein, wenn der Patient eine zusätzliche Halsrippe hat. Auch Haltungsfehler, Unfälle oder Veränderungen der Muskulatur durch Kraftsport können die Enge hervorrufen.

Pro Jahr kommen 100 Patienten in die Abteilung. Bis zu 40 Betroffene werden operiert. „Eine Operation ist immer das letzte Mittel“, sagt er. Zwei Drittel der Hilfesuchenden werden zur konservativen Behandlung nach Hause geschickt. Das bedeutet: Schmerzauslösende Positionen vermeiden, Kräftigen oder Abbauen der Muskulatur, Krankengymnastik, Ergotherapie. Unterstützend können Medikamente verordnet werden. „Wenn die konservative Behandlung versagt und ein hoher Leidensdruck besteht, wird operiert“, erklärt der Chefarzt. „Die Operation ist sehr schwierig und risikobehaftet. Sie sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.“ In der Achselhöhle wird ein kleiner Schnitt gesetzt. Die erste Rippe wird vom Brustbein bis zur Halswirbelsäule entfernt, ggf. auch die Halsrippe. „Die Entfernung verursacht keine Haltungsschäden“, betont Bürger.

Prof. Dr. Thomas Bürger, Chefarzt, AGAPLESION DIAKONIEKLINIKEN KASSEL