Zufriedene Patienten durch Fast-Track Chirurgie

03. Februar 2015

Die Liegezeiten in deutschen Krankenhäusern sind in den letzten zehn Jahren gesunken, während die Fallzahlen gestiegen sind.

Die Verkürzung der Verweildauer muss aber nicht zwangsläufig zur Qualitätsminderung der Behandlung führen. Durch Orientierung an den speziellen Bedürfnissen der Zielgruppe Endoprothetikpatient / in können die Abläufe optimiert („structure follows process“) und zufriedene Patienten bei kürzerer Verweildauer erreicht werden.

Besonders in Dänemark wird auf die Fast-Track-Chirurgie, bestehend aus einer evidenzbasierten Optimierung von Patienteninformation, klinischen und organisatorischen Faktoren, gesetzt. Der Autor hat ein Jahr in einer der ersten Fast-Track-Endoprothetik-Kliniken am Regionshospital Holstebro, Dänemark, gearbeitet, und sich wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt.

Seine Erfahrungen hat er bereits vor der deutschen Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik (AE) vorgetragen und wendet sie nun in seiner Abteilung an. In unserer Klinik wird die Patienteninformation mit der Außendarstellung kombiniert: Regelmäßige, gut verständlich gehaltene Patientenvorträge zu verschiedenen Anlässen im Ort, aber auch in der weiteren Region, geben den zur OP anstehenden Patienten die nötige Information über den Gesamtablauf und die Implantate. Gleichzeitig werden interessierte Zuhörer so an die Klinik herangeführt. Ein hoher Grad der Standardisierung ist im Rahmen der Vorbereitung zur Zertifizierung als Endoprothetikzentrum elementarer Bestandteil.

Auf der Station wird ein fester Bereich für Endoprothetik-Patienten mit langjährig erfahrenem Stammpersonal vorgehalten. Die Physiotherapie beginnt schon am Aufnahmetag, also am Tag vor der OP, vor allem mit der Gangschulung an Unterarmgehstützen. Auch dies ist der evidenzbasierten Fast-Track-Chirurgie aus Dänemark entlehnt. Ein 3- oder 4-Punktgang an Unterarmgehstützen ist für einen frisch operierten älteren Patienten verständlicherweise schwerer zu erlernen als vor der Operation. Überdies werden die Patienten gerade am Tag vor der Operation aus der Rolle des passiv ängstlich Wartenden in die aktivere Rolle desjenigen versetzt, der am Behandlungserfolg aktiv mitwirkt.

Systematische Studien zur Fast-Track-Chirurgie konnten darüber hinaus zeigen, dass ein verzögerter Beginn der Physiotherapie die Verweildauer verlängern kann. Für die ebenfalls samstags und sonntagsangebotene Physiotherapie für Endoprothetikpatienten gab es am AGAPLESION EV. BATHILDISKRANKENHAUS BAD PYRMONT von Patienten und Physiotherapeuten bereits positives Feedback.

Bei der Operation wird angestrebt, ein festes Endoprothetik-Team aus speziell interessierten und kompetenten Instrumenteuren / innen und Operateuren / innen zu bilden, um die OP-Zeiten zu minimieren. Die regelhaft verwandte minimalinvasive Operationstechnik sorgt für geringen Blutverlust und Schonung der Weichteile, so dass eine Frühmobilisation von Patienten aller Altersklassen gut toleriert wird. Angelehnt an das dänische Vorbild, wo ein Schild „lukket stue“ (geschlossen!) an die OP-Tür gehängt wird, soll von Hautschnitt bis Naht bei Endoprothesenimplantation die Saaltür geschlossen bleiben. Die am Computer geplanten Implantatgrößen werden vor OP-Beginn ± 2 Größen in den Saal geholt. Die Anzahl der Personen im OP, Gespräche und Bewegung werden reduziert, um die Hygiene weiter zu maximieren. Dieses Konzept führt zu einer Verweildauer von sieben Tagen für Hüft und Knieprimärimplantationen (mittlere Grenzverweildauer elf Tage).

Kontakt:
AGAPLESION EV. BATHILDISKRANKENHAUS BAD PYRMONT