AGAPLESION Digitalstrategie

Einer der Megatrends unserer Zeit ist die Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten der Vernetzung. Mit ihrer Digitalstrategie hat die AGAPLESION gAG sich bereits vor einigen Jahren auf den Weg gemacht, die Digitalisierung für Patienten und Bewohner, aber auch zur Entlastung der Mitarbeitenden einzusetzen. Bereits im Jahr 2005 traf AGAPLESION die Grundsatzentscheidung, Prozesse zu standardisieren und Daten zu digitalisieren. Dazu gehörten in den Folgejahren die Einführung eines einheitlichen Krankenhaus-informationssystems (KIS) sowie Softwaremodule in unterschiedlichen Verwaltungsbereichen. Die Umstrukturierung hat hervorragende Ergebnisse erzielt, wie z.B. die mobile digitale Patientenakte und unsere digitalen Innovationsprojekte zeigen.

AGAPLESION verfolgt das Ziel, alle Potentiale der Digitalisierung zu nutzen. Die AGAPLESION DIGITALSTRATEGIE baut daher auf vier Stufen auf: Digitale Daten, Digitale Anwendungen, Digitale Services und Plattformen.

Digitale Chancen erkennen und nutzen

Die digitale Transformation stellt das deutsche Gesundheitswesen vor große Herausforderungen: Die Digitalisierung von Daten, Prozessen und die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle sind alles andere als trivial – aber notwendig. Es sind erste Schritte auf dem Weg in die Zukunft des Gesundheitswesens.

Jörg Marx (Vorstand): Patienten werden digitale Krankenhäuser lieben

Obwohl Digitalisierung in aller Munde ist, sogar von einer „Revolution“ in der Arbeitswelt gesprochen wird, ergab noch im Jahr 2017 eine Umfrage, die McKinsey unter Klinikmanagern durchführte, dass fast 60 Prozent der Befragten keine Digitalisierungsstrategie entwickelt hatten und über 80 Prozent Reife und Qualität der Digitalisierung im eigenen Haus als unzureichend beschreiben mussten. Gut, dass wir bei AGAPLESION nicht zu dieser Mehrheit gehören. Wir haben nicht nur eine Vision, wie das Gesundheitswesen der Zukunft aussehen kann, wir haben auch eine klare Digitalstrategie, wie wir fit für die Zukunft bleiben. Bereits im Jahr 2015 haben wir die Grundsatzentscheidung getroffen, Prozesse zu standardisieren, Daten zu digitalisieren und wo immer möglich „Medienbrüche“ zu vermeiden. Längst arbeiten wir an digitalisierten Arbeitsprozessen und stellen dabei auch gewohnte Abläufe auf den Prüfstand. Anders gesagt: Wir digitalisieren nicht um der Digitalisierung willen, sondern weil wir die Patienten-, Bewohner- und Versorgungssicherheit ebenso erhöhen wollen wie auch die Mitarbeiterzufriedenheit. Am stärksten spürbar für die Nutzer werden natürlich Serviceangebote sein, von denen alle profitieren. So ist es gewiss kein Zufall, dass die elektronische Gesundheitsakte „TK-Safe“ auch zuerst in unserem Konzern umgesetzt werden konnte. Hier macht sich unsere jahrelange Vorarbeit im Bereich Informationstechnologie bezahlt, nahezu flächendeckend einheitliche Krankenhausinformationssysteme und einheitliche Datenablagen aufzubauen. Auch dass wir einer der ersten großen Klinikkonzerne mit einer eigenen Mitarbeiter-App am Markt waren, ist nur ein Beispiel für unsere Bereitschaft, mit der aufgeweckten Mentalität eines Start-ups ein gestandenes Unternehmen zu führen. Aber Revolutionen kennen keine Etappensieger. Wir wissen, dass die arbeitsentlastenden und wirtschaftlichen Potenziale groß sind – vor allem aber wissen wir, dass Patienten digitale Krankenhäuser lieben werden. Weil sie die Möglichkeit für das schaffen, was wirklich zählt im Leben: (mehr) Zeit für das Wesentliche, nämlich den Menschen.

Digitale Daten

Auf der ersten Stufe der AGAPLESION Digitalstrategie wurden sämtliche Daten in ein digitales und auswertbares Format gebracht sowie die Daten vorgehalten. Nur so können Informationen zwischen den verschiedenen internen Systemen effektiv vernetzt und für Datenanalysen bzw. -methoden wie künstliche Intelligenz herangezogen werden. Ein wesentlicher Schritt dazu ist bei AGAPLESION die flächendeckende Einführung der Mobilen Digitalen Patientenakte.

Digitale Prozesse

Auf der zweiten Stufe wird die Digitalisierung auf größere Organisationseinheiten und Prozesse übertragen. Dies gilt sowohl für patientennahe als auch -ferne Prozesse wie z. B. den Workflow zur Anforderung diagnostischer und therapeutischer Leistungen oder der Rechnungsprüfung. Dabei ist es enorm wichtig, nicht einfach nur die bisherigen, meist analogen Prozesse 1:1 zu digitalisieren. Vielmehr müssen die Potenziale digitaler Lösungen zur Standardisierung und Automatisierung genutzt und Prozesse ganz neu gedacht werden.

Digitale Services

Die dritte Stufe befasst sich mit dem Angebot digitaler Services für Patienten und Bewohner – und damit auch mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Diese können vor, während oder nach dem Aufenthalt im Krankenhaus oder einer Wohn- und Pflegeeinrichtung angeboten werden. Beispiele hierfür sind Online-Sprechstunden, präventive Auswertung der Gesundheitsdaten von Wearables oder individualisierte Informationen für Patienten oder Bewohner während ihres Aufenthalts. Die Angebote bieten die Chance, die Kommunikation zu verbessern und das Serviceniveau noch weiter anzuheben.

Plattformen

Auf der vierten Stufe steht die Entwicklung von Plattformen als ein digitales Geschäftsmodell im Mittelpunkt; sie werden den gesamten Gesundheitsmarkt verändern. Ein Plattformbetreiber kann grundsätzlich jede Art von Leistungen in sein System integrieren, von der persönlichen ambulanten Pflege bis hin zum Krankenhaus der Maximalversorgung. Plattformen koordinieren in immer größerem Umfang Angebot und Nachfrage. Erfolgreiche Plattformbetreiber setzen Schnittstellenstandards durch, wodurch sie das Geschäftsmodell in ihrem Sektor voll-ständig beherrschen. Sie sammeln das Wissen über ihre Kunden und sind in der Lage, deren Wünsche immer spezifischer zu erfüllen. Darum lassen sich Plattformen für die Kundensteuerung gut bezahlen.

Wie eine Plattform in der Gesundheitsbranche aussehen könnte, lässt sich bei Uber, eBay oder Airbnb ablesen: Airbnb stellt als Online-Plattform den Kontakt zwischen Gastgeber und Gast her, ist für die Abwicklung der Buchung und das Qualitätsmanagement verantwortlich oder berät Kunden im Hinblick auf geeignete Reiseziele. Alle Transaktionen finden über die Plattform statt.

Plattformbetreiber erbringen zunächst nicht selbst die originären Leistungen, sondern sie vermitteln und stellen unter anderem die Logistik- und Bezahlprozesse bereit. Seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass große Plattformbetreiber wie Amazon oder Netflix sich an-schicken, selbst zu produzieren: Amazon bietet eigene Tablets und Echogeräte an und produziert ebenso wie Netflix eigene Serien. Im Gesundheitsbereich existieren bisher nur kleine und eher unbekannte Plattformen. Vermittlungs- bzw. Listingportale wie www.krankenhaus.de oder www.werpflegtwie.de kommen über eine Informationsvermittlung nicht hinaus. Ähnliches gilt im Bereich des Rettungsdienstes für das Portal IVENA, das z. B. in Hessen landesweit zur Steuerung der Notfallpatienten in die am besten geeigneten Kliniken eingesetzt wird. Der eigentliche Geschäftsvorfall wird von Vermittlungsportalen im Gegensatz zu Plattformen nicht abgewickelt.

Krankenhäuser müssen nicht unbedingt Plattform-betreiber sein – sie können auch Provider werden. Provider sind Anbieter von Teilleistungen, die ihr Angebot auf einer Plattform offerieren, ohne diese selbst zu betreiben – so wie sich selbstständige Unternehmen auf der Amazon-Plattform einklinken, um dort ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Denkbar ist, dass Krankenhäuser Leistungen auf Plattformen anbieten und die Patienten dann nach Qualitätsbeurteilung, räumlicher Nähe und womöglich Preis eine für sie passende Auswahl treffen.